Das Politbüro der tschechoslowakischen KP wurde unter Beibehaltung einer „Reformer“-Mehrheit umgebildet und von 11 auf 21Mitglieder erweitert. Der polnische Ministerpräsident Josef Cyrankiewicz begründete die Teilnahme seines Landes an den Aktionen gegen die Tschechoslowakei mit dem Sicherheitsbedürfnis Polens.

Moskau verstärkte seinen polemischen Propagandafeldzug gegen die Bundesrepublik. Zu einem längeren Gespräch über das deutsch-sowjetische Verhältnis suchte Botschafter Semjon Zarapkin den Bundeskanzler auf. In Ostberlin wurden etwa 100 Jugendliche wegen Teilnahme an Protestdemonstrationen gegen die Besetzung der CSSR verhaftet. Der kommunistisch gelenkte Welt-Gewerkschaftsbund verurteilte das militärische Eingreifen in der Tschechoslowakei.

Rumänien an der Reihe?

Frankreich lehnte eine Stärkung der NATO als Reaktion auf die Prager Krise ab. In Brüssel wurden der ständige NATO-Rat und in Washington der Nationale Sicherheitsrat zu einer Sitzung über die Lage in Osteuropa zusammengerufen. Der amerikanische Präsident warnte die Sowjetunion vor neuen Aggressionshandlungen. Bukarest bot den Sowjets eine Erneuerung des Freundschafts- und Beitragspakts zwischen beiden Ländern an. Die Sowjetunion ließ in Washington und Paris Gerüchte über eine beabsichtigte sowjetische Intervention in Rumänien als unbegründet zurückweisen.

Trotz der gespannten Lage sagte der Bundeskanzler die geplanten Reisen nach Persien, Afghanistan und der Türkei nicht ab. Die Teilnahme von NPD-Landtagsabgeordneten an Veranstaltungn zum „Tag der Deutschen“ in Berlin sowie Listenverbindungen zwischen CDU oder FDP und der NPD in niedersächsischen Gemeinden lösten in Deutschland und im Ausland Befremden aus.

Der Beginn der Brünner Messe wurde um eine Woche verschoben. Die Frankfurter Messe begann mit geringerer Ost-Beteiligung und die Leipziger mit weniger West-Ausstellern. Vertreter aller Wirtschaftszweige warnten vor einer Aufwertung der Mark.

Pille und Gehorsam