Von Max E. Ammann

Schon im Jahre 1904 bei den dritten Olympischen Spielen stand in St. Louis ein Negerathlet, George Poage, im 400-Meter-Endlauf. Vier Jahre später wurde mit Jack Johnson zum ersten Male ein Negerboxer Schwergewichts-Weltmeister.

Man sollte also meinen, daß die „Integration“ der Negersportler in den USA, die so frühzeitig begann, auch relativ rasch verlaufen sei. Das stimmt aber nur für einige wenige Sportarten, wie eben die College-Leichtathletik und das Berufsboxen. Namen wie Eddi Tolan, Ralph Metcalfe, Jesse Owens sowie Joe Louis – sie alle waren Neger – beherrschten die Schlagzeilen der Sportpresse der dreißiger Jahre.

Baseball aber, der früher in den USA unangefochten an der Spitze der Popularitätsskala stand, und American Football (eine Abart des Rugby), der heute dem Baseball immer mehr mit den Zuschauerzahlen den Rang abläuft, blieben bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Negern verschlossen. Erst im Oktober 1946 wurde mit Jackie Robinson der erste schwarze Baseballspieler für die Brooklyn Dodgers verpflichtet. Dies wirkte wie ein Signal für andere Profisportarten, endlich auch ihre Pforten den Negersportlern zu öffnen. Bald folgten der erste schwarze Profi-Football-Spieler und der erste schwarze Berufsspieler im Basketball.

Anfang der fünfziger Jahre wurden endlich die Neger auch in den Society-Sportarten Tennis und Golf zugelassen, und jetzt reitet in Aqueduct der erste schwarze Jockei, und auf der Yonkers-Trabrennbahn sitzt 60 Jahre nach den Spielen von St. Louis der erste Negerfahrer im Sulky.

Bis es soweit war, daß also im amerikanischen Olympiateam, im Baseball-Allstar-Team oder im Tennis-Daviscup-Team Weiße und Schwarze gemeinsam stehen konnten, bedurfte es gewaltiger Anstrengungen. Widerstände aller Art mußten überwunden, Vorurteile entkräftet und sturen Argumenten der weißen Überlegenheit und schwarzen Minderwertigkeit begegnet werden. Der Kampf für die Gleichberechtigung im Sport ist noch nicht vorbei: Schikanen und Vorurteile werden noch auf Jahre oder Jahrzehnte hinaus den sportlichen Alltag der Neger schwerer machen als den ihrer weißen Kameraden. Aber die sportliche Gemeinschaft ist in ihrer Anerkennung der Neger als gleichwertig dem übrigen öffentlichen Leben doch weit voraus. Der Sport war – und ist immer noch – der Pfadfinder und Wegbereiter für ein besseres Verständnis zwischen Schwarz und Weiß. Er hat Tausenden von Schwarzen persönliche Triumphe, Collegeausbildung, Ansehen und Reichtum gebracht.

Möchtegern-Negerpolitiker