Erst jetzt bemerken die Franzosen, wie teuer die Mai-Unruhen waren. Die französische Regierung will ihre Kassen wieder füllen und schreckt dabei nicht vor Steuererhöhungen zurück. Die großen Verdiener werden bestraft. Wer mehr als 5000 Franc Steuern im Jahr bezahlt, muß im nächsten Jahr mit einer Steuererhöhung von zwei bis 15 Prozent rechnen.

Nach außen aber möchte Premierminister Couve de Murville wieder Vertrauen gewinnen. Die sinnlose Devisenbewirtschaftung wurde aufgehoben. Die Spekulation hatte genug Lücken gefunden, um sich dieser Kontrolle zu entziehen. Mit dieser Entscheidung wurde die heimliche Abwertung des Franc auf einen Schlag gestoppt.

Der Franc wird wieder zum offiziellen Kurs umgetauscht. Damit bekundet die französische Regierung ihren Willen, eine noch vor einigen Wochen für möglich gehaltene Abwertung des Franc zu vermeiden.

Positiv reagierte das In- und Ausland auf die Entscheidung zur Förderung der Investitionstätigkeit. Eine staatliche Investitionshilfe von 3,3 Milliarden Franc soll die Expansion fördern. Durch eine „Flucht nach vorn“ will die französische Regierung die Wirtschaft auf volle Touren bringen.

Die französische Regierung rechnet mit einer Erhöhung des Bruttosozialprodukts im Jahre 1969 um sieben Prozent. Für 1968 hat die Regierung die Zunahme auf 3,5 Prozent veranschlagt. Nur mit solchen außergewöhnlichen Wachstumsraten kann die französische Regierung das Haushaltsdefizit auf 11,5 Milliarden Franc begrenzen.

Alle diese Maßnahmen haben die Gerüchte um eine Franc-Abwertung verstummen lassen. Aber der französische Franc ist noch nicht gerettet. Ein starker Franc aber bleibt – aus außenpolitischen Gründen – das Hauptziel General de Gaulles. Dagegen ist die Participation für de Gaulle eine Nebensache geworden.

Frankreich ist im Augenblick einfach zu schwach für Experimente in der Mitbestimmung. glp.