Man möchte gern wissen, wer von den Teilnehmern an den kommenden Olympischen Spielen in Mexiko, die amtlich alle als reine Amateure gelten, heute bereits im stillen beschlossen hat, nach einem erfolgreichen Abschneiden ins Lager der Profis überzutreten, das heißt jetzt bereits sportlichen Landesverrat begeht. Man möchte ihnen nur zu gern zurufen, sich nicht von den Aussichten blenden zu lassen, mit deren Erträgen sie den Rest ihres Lebens bestreiten möchten. Denn jener Ausspruch des Mannschaftsführers der englischen Nationalmannschaft, daß „die Profi-Existenz allen jenen ein großes Leben bietet, die gut sind“, muß doch sehr mit der sprichwörtlichen Prise an Vorsicht genommen werden. Die Auslegung einer sportlichen Berufsexistenz ist sehr relativ, und das ist eben ihr wunder Punkt. In England gibt es beispielsweise recht wenige Möglichkeiten. Nur die besten Spieler vermögen aus ihrem Spiel eine regelrechte Existenz zu gewinnen, wenn es auch sehr viel mehr Menschen gibt, die sich durch Beschäftigungen ernähren, die durch den Sport bedingt werden, wie etwa der Beruf eines Sportlehrers, eines Coaches oder der eines Sportfunktionärs.

Unter den fünf Sportzweigen, die in England als Berufssportzweige ins Gewicht fallen – Fußball, Pferderennen, Cricket, Golf und Boxen –, besitzen beispielsweise nur die beiden ersten Sportarten organisierte Nachwuchsausbildung. Versprechende Fußballer dürfen nach Beendigung ihrer Volksschulzeit in einen der 92 Ligavereine eintreten. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, daß die Zahl der Berufsspieler in Großbritannien in einer Spielzeit nur zwischen 6000 und 8000 Spielern schwankt. Der Wochenlohn eines solchen Fußballanfängers im Alter von 15 Jahren beträgt etwa fünf Pfund und steigt in den folgenden drei Jahren auf das Doppelte. Dann erst kann er sich entscheiden, ob er wirklich ein Profi werden möchte oder doch lieber zum Amateurstatus zurückkehren will. Die Ausfallrate ist enorm hoch. Aus körperlichen oder geistigen Gründen versagen viele, denen anfangs große Hoffnungen gegolten haben, und verschwinden aus dem Sport. „Fußball ist eben ein Geschäft wie jedes andere. Eine GmbH mag einen Angestellten bei sich behalten, der nicht sehr erfolgreich ist. Zeigt er sich jedoch als Versager in einer Fußballmannschaft, dann gibt es eben keine Rücksicht.“