Von Hilke Schlaeger

Im März dieses Jahres schlossen sich rund 20 000 Angehörige des akademischen Mittelbaus zu einer Bundesassistentenkonferenz zusammen: Wissenschaftliche Assistenten und akademische Räte aller Abstufungen, wie sie in unserem von Hochschule zu Hochschule wechselnden System ordentlicher Titulaturen nun einmal üblich sind, fügten zu den vorhandenen Organisationen – dem Verband Deutscher Studentenschaften auf der einen Seite, den Einrichtungen der Professoren von der Westdeutschen Rektorenkonferenz bis zum Hochschulverband auf der anderen und der Kultusministerkonferenz auf der dritten – eine vierte Institution hinzu, die in der Mitte zwischen den Lehrenden und den Lernenden angesiedelt ist.

Von jeder dieser Gruppen kamen im Laufe der letzten Jahre Vorschläge zur Reform der Universität – mehr oder weniger an „Haupt und Gliedern“ und unterschieden danach, was die einzelnen unter „Haupt und Gliedern“ verstehen. Da mochten sich auch die Assistenten nicht entziehen.

In Kreuznach legten ihre Vertreter jetzt ein Hochschulkonzept vor, dessen wichtigste Grundsätze einen Kompromiß zwischen den bisherigen Überlegungen darstellen:

  • Nach den Vorstellungen der Assistenten organisiert sich das Bildungswesen in Gesamtschulen und Gesamthochschulen mit aufeinander folgenden Kurz- und Langstudiengängen und fließenden Grenzen.
  • Die Verwaltung der Hochschule teilt sich auf in eine Zentralinstanz, die nicht nur die „akademischen Angelegenheiten“, sondern auch Wirtschafts- und Personalfragen entscheidet, und die untere Ebene der Fachbereiche, die Lehre und Forschung organisieren und in denen Lehrstühle, Institute und Fakultäten aufgehen.
  • Mitglieder der Hochschule sind die vier Gruppen der ständigen Professoren, der auf Zeit bestellten Assistenzprofessoren, der Graduierten und der Studenten; sie sitzen paritätisch in den Einrichtungen der Universität, die sich mit Wahlen und Grundsatzentscheidungen zu befassen haben. Alle anderen Ausschüsse werden nicht paritätisch, sondern nach Sachverstand und Betroffenheit besetzt.
  • Über die Beteiligung der Hochschulmitglieder an Forschung und Lehre heißt es im Kreuznacher Konzept: „Eine Neugliederung muß die Möglichkeiten freier Forschung und Lehre für alle Mitglieder des Lehrkörpers gleicherweise garantieren, damit das Angebot an Lehre vergrößert, Lehre und Forschung verbessert und die negativen menschlichen Auswirkungen zu langer Abhängigkeit und Unselbständigkeit verringert werden. Jede Neuordnung muß von der Einsicht ausgehen, daß die Leistungen in Forschung und Lehre in einem direkten Verhältnis zur Freiheit und Unabhängigkeit der Personen steht, die sie erbringen.“

Das macht deutlich, daß es den Assistenten nicht nur um die Reform der Hochschule, sondern auch darum geht, ihre eigene Position zu verbessern. Natürlich ist das völlig legitim, und wenn solche Verbesserungen in einem Kompromiß zwischen den Reformvorschlägen fortschrittlicher Professoren und der meist noch ein bißchen radikaleren Studenten untergebracht sind – um so besser.

Die Frage ist nur, was denn überhaupt immer noch ein neuer Vorschlag bewirken soll – nachdem bisher beinahe alle gutgemeinten Rezepte sich nicht in politische Entscheidungen umgesetzt haben. Die Assistenten weisen darauf hin, daß nach den lautstarken Protesten der Studenten die Politiker nun endlich bereit seien, neue Konzepte zu verwirklichen. Abgesehen davon, daß man das füglich bezweifeln kann, abgesehen auch davon, daß die Hochschule selber es gar nicht so gern hat, wenn die Politiker ihr ins Handwerk pfuschen: es bleibt auch zweifelhaft, ob die Anhäufung von immer neuen Konzepten wirklich die Verwirrung beseitigen hilft.