Gegen eine fossile Ordnung

Von Leona Siebenschön

Die Päpste sprachen wie der General. Der General dachte wie der Professor. Der Professor H. H. Knaus (Wiener Gynäkologe, Miterfinder der Methode Knaus-Ogino) erklärte: Sie „gefährdet das Ethos in der zivilisierten Welt“, sie „führt zum Einsturz der in Jahrhunderten errungenen gesellschaftlichen Ordnung“.

Wie er sah schon Papst Pius XI. – der sechste Paul hat ihn triumphal bestätigt – die Ordnung der Natur gefährdet, wenn seine Gläubigen „aus Widerwillen gegen den Kindersegen die Last vermeiden, aber trotzdem die Lust genießen wollen“. Und in gleichem Geist entschied Frankreichs General de Gaulle: „Es kommt nicht in Frage, daß die Sozialversicherung (sie) vergütet. Sie zahlt ja auch nichts für Autos. Beide dienen der Zerstreuung.“

Die Herren der Welt, Papst, Professor und Präsident, sprachen von der Pille und meinten den uralten Feind. Er stehe bereits „in unserem eigenen Lager“, hatte Kardinal Léon Joseph Suenens seinem Papst zugeraunt: Eine verlorene Schlacht müsse neu gewonnen werden.

Die Schlacht ist entschieden, gegen die Päpste. Der Feind hat gesiegt, auch ohne Sozialversicherung und Segen. Moral und Ethos, verankert im Imperativ „Seid fruchtbar und mehret euch“, der den Fruchtbaren längst Fluch beschert statt Segen, müssen nun wohl doch neu definiert werden.

Die Kopulation hat ihren Doppelsinn verloren. Vom Januskopf blieb nur das lachende Gesicht der Lust. Der Beweis für die These von der zur Monogamie prädestinierten Frau, diktiert vom Wunsch der Männer nach legitimen Kindern, bestärkt von der praktischen Notwendigkeit intakter Familienverhältnisse – jenes seit Jahrtausenden gültige Gutachten wurde im 20. Jahrhundert von der Chemie in Frage gestellt.