Alexander Tcherepnin: „Klavierkonzerte Nr. 2 und 5“; Alexander Tcherepnin, Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks, Leitung: Rafael Kubelik; Deutsche Grammophon Gesellschaft 139 379, 25,– DM.

Sein Vater war Professor am Petersburger Konservatorium und Dirigent in Djaghilews Ballett-Truppe, 1921 emigrierte er, wie viele andere Musiker auch, wurde Direktor des Pariser Russischen Konservatoriums. Der Sohn studierte beim Vater und wurde dann Pianist, ging ebenfalls 1921 in den Westen, war an Vaters Konservatorium Klavierlehrer, blieb schließlich in den USA hängen, erhielt eine Professur in Chicago. Die sogenannte Neue Russische Schule, Mussorgski, hat bleibende Eindrücke in seinen beiden Konzerten (1920 und 1963) hinterlassen, etwas Folklore steckt drin, etwas Schmetterengteng und etwas pfiffig Skurriles. Weiter hat Djaghilew wohl gewirkt, Motorik, synkopierte Rhythmik und sparsame Instrumentation spielen eine große Rolle. Auch der Impressionismus hinterließ seine Spuren: große Farbflächen, in rhythmische und melodische Kleinmuster aufgebrochen. Schließlich sind neue Theorien im Spiel, eine Neuntonskala, eine „Interpunct“ genannte Methode der Polyphonie, die aber ohne eigentliche Konsequenzen blieben. Eine Mischung aus vielen Töpfen also, gelegentlich etwas brillantes Klavierspiel, meist jedoch fade Dutzendware, interessant für jene, die wissen möchten, was eben auch noch komponiert wurde und wie’s der Komponist selber spielt. Heinz Josef Herbort