Von Kurt Trettner

In New York, wie in Washington und Chikago, ist es notwendig geworden, den Flugverkehr zu begrenzen, weil der Verkehr auf den Flugplätzen nicht mehr bewältigt werden konnte und immer mehr Flugzeuge, die nicht landen konnten, sich in den Warteräumen drängten. Statt 100 Flugzeuge in der Stunde sollen auf dem Kennedy International Airport in Zukunft nur noch 90 starten und landen. Die von der Regierung (Federal Aviation Administration) aus Sicherheitsgründen vorsorglich verlangte Begrenzung auf 65 Starts und Landungen in der Stunde wurde nicht akzeptiert, weil dann zu viele Passagiere zurückgewiesen werden müßten.

Die Flugzeug-Warteschlangen auf den Rollwegen zur Startbahn und in den Warteräumen strapazieren aber nicht nur die Nerven der Passagiere und Flugsicherungsleute, sie kosten die Fluggesellschaften viel Geld. Mit rund 400 Mark zusätzlichen Kosten für Treibstoff und Wartung rechnet beispielsweise die Lufthansa, wenn sich eine ihrer vierstrahligen Boeings eine Viertelstunde länger als geplant in der Luft befindet. Die tatsächlichen Kosten – von den verhinderten Anschlüssen angefangen, bis zum Durcheinanderkommen der Flugpläne – sind kaum abschätzbar.

Auch der ständig wachsende Luftverkehr über den Nordatlantik bringt den Flugsicherungsstellen immer mehr Sorgen. Die Legende vom riesigen freien Luftraum wurde inzwischen durch einige Beinahe-Zusammenstöße von Flugzeugen jäh zerstört.

Die Zeit ist nicht mehr fern, daß bei der derzeitigen Staffelung der Flugzeuge nach Höhe und Entfernung der Luftraumbedarf die Größe des Luftraums auch über dem Atlantik weit übersteigt. Um nun eine durchgreifende Verbesserung der Verhältnisse zu erreichen, das heißt also, daß mehr Flugzeuge zu gleicher Zeit und in kürzeren zeitlichen wie räumlichen Abständen sicher auf Transatlantikrouten fliegen können, ist eine wesentlich genauere Navigation und Standortbestimmung sowie eine bessere Funkübermittlung zu den Flugsicherungsstellen erforderlich. Ein Mittel dazu soll der Nachrichtensatellit sein. Die europäische Flugsicherungsbehörde Eurocontrol erteilte inzwischen einen Auftrag, die mit der Satellitennavigation zusammenhängenden Fragen zu untersuchen. An diesen Untersuchungen sind auch die europäischen Organisationen für Weltraumforschung und für die Entwicklung von Trägerraketen, ESRO und ELDO, beteiligt. In den USA ist man bereits einen Schritt weiter. Einige Fluggesellschaften fliegen versuchsweise nach Orbit-Navigationsinformationen.

1965 hat die Zahl der in der Welt von Fluggesellschaften beförderten Passagiere 177 Millionen betragen, für 1975 werden 580 Millionen und für 1980 sogar 770 Millionen Flugpassagiere erwartet. Es werden jährliche Zuwachsraten von acht bis zehn, ja sogar dreizehn Prozent geschätzt. Allein über den Atlantik wurden im vorigen Jahr fast fünf Millionen Passagiere befördert. Die Wachstumskurve bei der Luftfracht soll noch stärker verlaufen: gegenüber 1965 soll 1980 zwölfmal soviel Fracht auf dem Luftweg befördert werden.

Erst durch die Jumbo- oder Superjets (Boeing 747) wird es etwas mehr Luft geben. Mit einer Kapazität von wenigstens 366 Plätzen werden mehr Passagiere in weniger Flugzeugen befördert werden, frühestens Ende 1969 (zwei Superjets werden die Arbeit von fünf der größten 707 Jets übernehmen), und noch ungenutzte Flugräume werden erobert werden: Bei einer Flughöhe von 15 000 Metern werden die großen Vögel fast zwei Kilometer höher fliegen als die gegenwärtigen Jets.