Ein europäischer Manager antwortet einem amerikanischen Nationalökonomen

Von F. S. McFadzean

Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith hat in seinem jüngst veröffentlichten Buch „Die moderne Industriegesellschaft“ die überkommenen Vorstellungen über Staat, Gesellschaft und Wirtschaft, Unternehmern und Gewerkschaften, Produzenten und Verbrauchern einer neuen Analyse unterzogen. Er kam zu dem Schluß, daß die Freiheit der Unternehmer immer mehr ausgehöhlt wird, daß andere Faktoren wie Technologie, wachsender Kapitalbedarf und höhere Anforderungen an das Wissen die Entscheidungsfreiheit des einzelnen immer mehr einschränken und eine Planung immer notwendiger wird. Diesen Thesen widerspricht F. S. McFadzean, Mitglied des Präsidiums der Royal Dutch/Shell.

Wenn Professor Keneth Galbraith in seinem letzten Werk sein schweres Geschütz auf das klassische Marktkonzept abfeuert, ist es nicht ganz klar, welchen Feind Professor Galbraith nun eigentlich vernichten möchte. Diejenigen, die dem von Professor Galbraith vernichteten Konzept das Wort redeten, gibt es längst nicht mehr. Schon vor 30 Jahren, als wir noch Studenten waren, betrachteten wir die klassische Analyse des Marktes nie als ein Spiegelbild der alltäglichen Wirklichkeit.

Die Vision von Menschen überall auf der Welt – von den Torfmooren Irlands bis zu den Ufern des Jangtsekiang, die abends um ein Lagerfeuer versammelt sind und lebhaft diskutieren, wie sie während des Tages ihr Geld mit dem größtmöglichen Grenznutzen ausgegeben hatten, um dann in einer Euphorie von Selbstzufriedenheit in Schlaf zu versinken, nahmen wir schon damals niemandem ab, noch glaubten wir an etwas wie einen perfekten Markt. Es gab zwar Annäherungen, aber immer standen einer Realisierung irgendwelche Hindernisse im Wege.

Dennoch glaubten wir – und ich bin immer noch naiv genug, an dieser Idee festzuhalten –, daß eine solche Betrachtungsweise ein gutes pädagogisches Instrument darstellte, mit dessen Hilfe man zu jedem Zeitpunkt – wenn auch unvollkommen – die am Werk befindlichen Kräfte erklären konnte. Die Gebote der modernen Technologie haben natürlich die Hindernisse, die einer Verwirklichung des von den klassischen Wirtschaftswissenschaftlern dargelegten Ideals im Wege standen, um ein Vielfaches vergrößert. Zweifellos beeinflussen große Unternehmen den Markt. Das wurde schon vor Jahren erkannt. Aber wenn man, wie Galbraith es tut, ins andere Extrem verfällt und behauptet, daß in dem am schnellsten wachsenden Teil der Volkswirtschaft der Markt ausgeschaltet ist, geht das entschieden zu weit. Diese Behauptung kann nicht einmal Anspruch darauf erheben, ein pädagogisches Instrument zu sein.

In seiner Analyse betont Galbraith zu Recht die Bedeutung des Zeitfaktors in der Produktion – die vielzitierten 3 1/2 Jahre, die zwischen der Entscheidung, den Mustang herzustellen und dem Zeitpunkt, an dem das erste Modell das Fließband verließ, liegen. Der Zeitfaktor ist jedoch genauso wichtig bei jeder Analse des Konzeptes der Gewinnmaximierung und des Marktes. Tatsächlich wären diese Worte ohne ihn praktisch bedeutungslos.