De Gaulle und das Europa der Enkel

Von Hans Gresmann

Die Stimme des alten Mannes von der Seine war wieder einmal zu vernehmen. Auf seiner jüngsten Pressekonferenz hat er mit großer Geste den architektonischen Grundriß seiner Politik aufgezeichnet. Der außenpolitische Flügel – die Innenpolitik soll hier nicht erörtert werden – war in seiner Linienführung geprägt durch die gegenwärtig alles beherrschende Grundfrage: Was wird nach Prag?

Die Antworten des französischen Staatspräsidenten wirkten bedacht und emotionslos, sie waren in ihrer Weise so richtig, daß sie sich aller Kritik zu entziehen schienen. Aus dem sowjetischen Gewaltakt, den er als einen Ausdruck machtpolitischen Hegemönialstrebens brandmarkte, zog de Gaulle zwei Schlußfolgerungen, eine prognostische und eine mahnende.

Zuerst die Prognose: „Es ist zu spät dafür, daß eine fremde Hegemonie einem anderen Volk ihr Gesetz aufzwingt, zu spät dafür, daß eine Ideologie, allen voran die des Kommunismus, über das Nationalgefühl triumphiert, zu spät, daß Europa in zwei gegeneinander gerichtete Blöcke geteilt bleibt.“ Es werde der Sowjetunion auf die Dauer nicht gelingen, ihre europäischen Satelliten auf ihrer Seite zu halten.

Dann die Mahnung, die zugleich Ankündigung eigener Politik war: Jegliche Rückkehr in den Kalten Krieg müsse verhindert, statt dessen der Abbau der Spannungen weiter betrieben werden. Seit 1958 habe seine Regierung gegen die Blockbildung in Europa gearbeitet, und sie werde das auch weiter tun.

Ohne Wegweiser