Walther Heissig: „Ein Volk sucht seine Geschichte – Die Mongolen und die verlorenen Dokumente ihrer großen Zeit“; Econ Verlag, Düsseldorf/Wien, 1964; 324 Seiten.

Der Titel des Buches könnte ebensogut lauten: „Ein Professor sucht die Geschichte eines vergessenen Volkes.“ Schildert hier doch der verdienstvolle Mongolist recht spannend und mit Hilfe vieler interessanter Abbildungen seine langjährigen Abenteuer, die ihn auf der Suche nach verlorengegangenen historischen Schriftstücken der Mongolen durch die Mongolei, China und Japan führten. Seine Aufgabe war um so schwieriger, als die Mongolen selbst, die erst in jüngster Vergangenheit ihre heutige staatliche Existenz begründet haben, gerade eben anfangen, nach den Quellen ihrer Vergangenheit zu forschen. Nicht selten dank kurioser Zufälle gelangte der deutsche Gelehrte in den Besitz wertvoller Zeugnisse; so bekam er „die Blaue Chronik“ über Dschingis Khan und seine Dynastie und entdeckte in einem Bündel lehm- und schmutzverkrusteter Papiere einen Leihvertrag und Bruchstücke buddhistischer Gebete aus dem mongolischen Mittelalter. Die Loslösung der Äußeren Mongolei von China im Jahre 1911 wird von Professor Heissig als die Antwort auf Chinas Versuch ausgelegt, die Mongolen zu unterdrücken und zu sinisieren. Um die antibolschewistischen Weißgardisten unter der Führung des baltischen Barons Ungern-Sternberg (der selbst Kaiser der Mongolei werden wollte) aus der Mongolei zu vertreiben, habe die provisorische mongolische Regierung die sowjetische Rote Armee um Hilfe gebeten. (Am 6. Juli 1921 eroberten sowjetische Truppen, unterstützt von mongolischen Partisanen, die jetzige Hauptstadt Ulan Bator, wo sich dann die Regierung der Mongolischen Volksrepublik offiziell konstituieren konnte.)

Robert A. Rupen: „Mongols of the Twentieth Century“; Indiana University Publications, Uralic and Altaic Series, Band 37, Bloomington, 1964; 510 Seiten (Part I) & 167 Seiten (Part II).

Zwischen 1917 und 1921 legten die Sowjets in der Äußeren Mongolei den Grundstein zu ihrem „ersten Satelliten“. Der Abscheu gegen die Terrorpolitik Ungern-Sternbergs, die Unentschlossenheit der Chinesen während dieser Periode und die Festigung der bolschewistischen Herrschaft über Ostsibirien ermutigen mongolische Revolutionäre wie Tschoibalsan und Suche-Bator (der Sun Yatsen oder Lenin der Mongolei – so der amerikanische Mongolist Owen Lattimore), ein neues Regime zu gründen. Die Sowjettruppen begründeten ihren Einmarsch in die Mongolei Anfang Juni 1921 hauptsächlich damit, daß sie gegen die weißrussischen Truppen vorgehen müßten, weil die Chinesen es nicht täten. Auf die „mongolische Revolution“ von 1921 folgt „die sowjetische Periode“. Sie begann damit, daß die Sowjets ihr Einflußmonopol festigten (1921–1930), dann die antisowjetischen Politiker entfernten und eine schlagkräftige mongolische Armee gegen die Japaner aufbauten (1931–1940). Unter der Führung von Tschoibalsan wurde das Land stalinisiert (1941–1950). Nach einem Jahrzehnt relativer Zurückhaltung der Sowjets (1951–1960) trat die Mongolische Volksrepublik im Konflikt zwischen Moskau und Peking offen auf die sowjetische Seite (1961–1963). Rupen meint, daß die Mongolen weiterhin unter sowjetischem Einfluß bleiben werden. – Der zweite Teil des Werkes bietet eine umfassende Bibliographie.

V. A. Maslennikov: „Contemporary Mongolia“ (Aus dem Russischen übersetzt von David C. Montgomery); The Mongolia Society Occasional Papers, Nr. 1, herausgegeben von John R. Krueger; Bloomington, Indiana, 1964; 60 Seiten.

In der Präambel zur neuen Verfassung der Mongolei vom 6. Juli 1960 heißt es: „Die Mongolische Volksrepublik ist durch die brüderliche sozialistische Hilfe der Sowjetunion entstanden und stark geworden...“ Der sowjetische Autor erläutert den Inhalt dieser Präambel und spiegelt das allgemein verbreitete Mongoleibild des Sowjetbürgers wider. Demnach ist die Mongolische Revolution von 1921 auf die „Große Sozialistische Oktoberrevolution“ in Rußland zurückzuführen, ließen sich doch beide Länder von der „Lehre Lenins“ leiten. Maslennikov erinnert an die Leninsche These, daß auch zurückgebliebene Länder mit Hilfe von sozialistischen Staaten den Sozialismus erreichen und die kapitalistische Entwicklungsstufe übertreffen könnten. Seine Broschüre soll den Leser auf „die Grundzüge der historischen Erfahrungen der Mongolei bei der nichtkapitalistischen Entwicklung des Landes vom Feudalismus zum Sozialismus“ aufmerksam machen. Für den Autor war der chinesische General Hsü Shu-chen, der 1919 die Aufhebung der Autonomie in der Äußeren Mongolei erzwang, ein pro-japanischer „Agent“ und Baron von Ungern-Sternberg nichts anderes als ein „Werkzeug“, dessen sich die japanischen Militaristen zur Invasion der Mongolei und Chinas bedienen wollten. Auf Ersuchen der provisorischen Regierung der Mongolei sei die sowjetische Rote Armee in die Mongolei einmarschiert und habe den Revolutionären geholfen, „die permanente nationale Regierung der Äußeren Mongolei“ zu gründen. Seitdem hätten sich die Mongolen „an den Erfahrungen Sowjetrußlands orientiert“.

George G. S. Murphy: „Soviel Mongolia – A Study of the Oldest Political Satellite“; University of California Press, 1966; 224 Seiten.