Im französischen Rundfunk wurde gerade das Telephongespräch eines Reporters mit dem Pater Boulogne wiedergegeben, der seit Monaten mit einem fremden Herzen lebt und seinen Ärzten offensichtlich nicht die geringsten Sorgen macht.

„Wenn Sie so Ihre drei Treppen hochsteigen, werden Sie da nicht atemlos, Pater?“

„O ja, aber das wird wohl auch manch anderer bei solcher Kraftprobe!“

Übrigens arbeitete der Pater gerade an seinem Schreibtisch, als das Telephon ihn überraschte. Seine Stimme klang kraftvoll und sympathisch.

Den Klang dieser Stimme noch im Ohr, las ich die Meldung, daß in Houston (Texas) Organe einer jungen Frau, die sich durch einen Kopfschuß umgebracht hatte, in vier Männern weiterlebten. Operation gelungen. Einer hat ihr Herz bekommen, zwei je eine Niere; dem vierten wurden Teile ihrer Lunge eingesetzt. Der erste Gedanke des Mannes, der die Meldung formuliert hatte, muß den Ärzten gegolten haben. Triumph! Ja, wirklich: sie hatten aus der Dame herausgeholt, was nur rauszuholen war. Der zweite Gedanke galt den vier Männern, die, wenn alles gutgeht, an der Verzweiflung der jungen Frau profitieren. Doch unwillkürlich wird einem gruselig zumute, nicht wahr?

So las ich die Meldung einem hohen Beamten vor, der mir gegenübersaß. Ob auch ihn gruselte? Ob auch er das Gruseln durch eine zynisch klingende Bemerkung überdecken würde?

Er sagte: „Ei, da haben sie dies Mädchen ja ganz hübsch ausgeschlachtet! Wie hieß sie noch?“