Glanz und Elend der Manager

Von Christian Troebst

Angeregt durch die Vorgänge beim Rheinstahl-Konzern, der durch sein Management in eine Krise geriet, hat der Verfasser – Industriepfarrer an der Evangelischen Akademie Bad Boll – Erfahrungen seiner Tätigkeit zu diesem Diskussionsbeitrag zusammengefaßt.

Nur wenigen vom Glück verfolgten Top-Leuten in der Wirtschaft bleibt der Augenblick erspart, in dem es heißt: Kuschen oder Koffer packen. Die Masse der Wirtschaftsmanager ist ständig im Clinch mit ihresgleichen. Manches, was hinter den gläsernen Fassaden der Verwaltungshochhäuser geschieht, erinnert an die Zeit der Raubritter und Piraten.

In vollklimatisierten Etagen hausen auf weichen Teppichböden zwischen Zimmerpflanzen und Ledersesseln Rotten und Cliquen, die sich umschleichen und belauern und einander über Bord zu werfen trachten. Höhepunkt des Nervenkrieges, in dem auf allen Seiten Material gesammelt wurde, ist dann der Zweikampf Boß gegen Boß.

Wenn gegen Jahresende rote Zahlen erscheinen, und durch ihr Auftauchen das Karussell aus Angst und Haß, Rivalität und Leidenschaft in Gang setzen, dann fragt sich mancher, der bis zur Kommandobrücke vorgedrungen ist, ob er es sein wird, der diesmal geopfert und den Aktionären oder der Belegschaft, dem Aufsichtsrat oder der Bank zum Fraße vorgeworfen wird. Wohl ist dafür gesorgt, daß sein Ausscheiden mit einer sechsstelligen Zahl vergoldet wird. Aber was hilft ihm das, wenn hinfort keiner aus der Branche ein Stück Brot mehr von ihm nimmt?

Wenn der Chef fällt...