Hannover

Der Streit in Niedersachsens CDU um die Parteispitze soll ein Ende haben. Die Parteioberen einigten sich kürzlich in der Peiner Privatwohnung des Kultusministers Langeheine, fernab von Öffentlichkeit und Parteivolk, ihre Probleme elegant aus der Welt zu schaffen.

Probleme gab es innerhalb der Partei schon lange. Niedersachsen, aus den ehemaligen Ländern Braunschweig, Oldenburg und der ehemaligen Provinz Hannover nach dem Zweiten Weltkrieg zusammengekittet, bot der CDU die schwierige Aufgabe, eine Parteiorganisation zu finden, die den traditionellen Überlieferungen entgegenkam. So entstanden drei Landesverbände mit eigenen Vorständen und Geschäftsführern: Hannover, Braunschweig und Oldenburg. 1948 schloß man sich zu einer „CDU in Niedersachsen“ zusammen, mit einem „Präsidierenden Vorsitzenden“ und einem später installierten „Generalsekretär“ für politische Angelegenheiten sowie einem „Hauptverbandsgeschäftsführer“ für organisatorische Arbeiten.

Dieser „Präsidierende“ war seit 1960, in konstanter Regelmäßigkeit gewählt, der Goslarer Baustoffhändler Otto Fricke, genannt „Kaiser Otto“. Aber so wenig Fricke „Kaiser“ war, so wenig waren die „Landesfürsten“ bereit, ihre Autorität einzuschränken. Daran brauchte sich auch nichts zu ändern, denn die politische Entwicklung spielte für „Kaiser Otto“, die „Landesfürsten“ und die gesamte niedersächsische CDU. Am 1. Juli 1960 erklärten neun von fünfzehn Bundestagsabgeordneten der Deutschen Partei ihren Austritt aus der DP-Fraktion und schlossen sich der niedersächsischen CDU an. Am 1. November 1961 trat der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Partei und ehemalige Ministerpräsident der bürgerlichen Koalition in Niedersachsen, Heinrich Hellwege, in die niedersächsische CDU ein. Am 29. März 1962 dezimierte sich die niedersächsische DP-Landtagsfraktion, als unter Führung des damaligen Parteivorsitzenden Richard Langeheine von 20. Abgeordneten 18 zur CDU wechselten. Organisationsprobleme verblaßten vor der erlangten Stärke niedersächsischer Christdemokraten.

Und so blieb es, bis die Jugend zu revoltieren begann. Mittlerweile hatte die CDU Niedersachsens der Bundesrepublik die Große Koalition vorexerziert, nachdem die Freidemokraten wegen des Konkordats-Abschlusses die Koalition mit den Sozialdemokraten verlassen hatten. Als Nachfolger des mittlerweile auch schon 66jährigen Fricke baute sich der amtierende Justizminister, Gustav Bosselmann, 53 Jahre alt, auf.

Allein, Otto Fricke fehlte der Sinn für Realität und Diplomatie. Gefühlsbetont verwies er auf Männer wie Heinrich Ehlers und den Oberkirchenrat Adolf Cillien, einst Vorsitzender der CDU in Niedersachsen. Ein Bosselmann als Nachfolger dieser Männer komme nicht in Frage, denn schließlich sei dieser als HJ-Führer während des Dritten Reiches aus der Kirche ausgetreten, wenn er auch später wieder eingetreten sei.

Die Partei erboste sich wegen dieser Vorhaltungen. Otto Fricke resignierte. Auf der Suche nach einer Alternative präsentierte sich der amtierende Spitzenkandidat der CDU Niedersachsens, der Kultusminister und stellvertretende Ministerpräsident Richard Langeheine, ehemals DP-Chef. Langeheine kandidierte auf dem entscheidenden Parteitag am 19. Mai dieses Jahres in Bad Rothenfelde gegen Bosselmann. Im ersten Durchgang erhielt er zwar mehr Stimmen als sein Konkurrent, aber bei Mitanrechnung der ungültigen Stimmen und der Stimmenthaltungen nicht genug, um gewonnen zu haben. Im zweiten Durchgang siegte Bosselmann.