Köln Bis zum 29. September, Kunsthalle: „Wilhelm Busch“

Wer ihn für den Klassiker der Bildergeschichte hält, den pessimistischen Chronisten der comédie humaine, den Vater von Max und Moritz und der Frommen Helene, der nimmt den Teil für das Ganze, den Wilhelm Busch selber für beiläufig und ein einträgliches Nebengeschäft gehalten hat. Seine Bilder, die er nie ausgestellt hat und die ihn, so grotesk das klingt, unter die Wegbereiter der Malerei des 20. Jahrhunderts fallen lassen, werden zum großen Teil im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover aufbewahrt. Sie bilden den Hauptteil der Kölner Ausstellung, 220 Gemälde, Zeichnungen und Entwürfe für die Bildergeschichten.

Nürnberg Bis zum 20. Oktober, Kunsthalle: „Marzotto-Europa-Preis für Malerei – Die figurative Malerei in Europa“

Mag auch der Zorn eines alten Mannes „über den ganzen modernistischen Unsinn“ den neuen Marzotto-Preis vor zwei Jahren initiiert haben, so haben es jedenfalls die Juroren verstanden, reaktionäre Emotionen geschickt zu überspielen. Bei der 1967er Ausstellung war die Richtung, die hier unterm Stichwort „figurativ“ eingeschlagen und prämiiert werden sollte, noch einigermaßen unentschieden. Da wurden weitgehend verstaubte Bilder aus luftdicht gegen modernen Zugwind abgeschlossenen Ateliers präsentiert, wenn sie nur gegenständlich Menschliches erkennen ließen. Diesmal liegt der Ton entschieden auf „Malerei“, und der Hinweis, daß die überlieferten Mittel der Malerei nicht zum alten Eisen gehören, verdient gerade im documenta-Jahr Aufmerksamkeit. Trotzdem soll man den Marzotto-Preis nicht als eine pauschale Anti-documenta-Demonstration mißverstehen. Horst Antes, der zur deutschen documenta-Mannschaft gehört, erhielt einen der beiden zweiten Marzotto-Preise. Der andere ging an den Spanier Juan Genoves, einen ganz vorzüglichen Mann, der Protest, Panik, Hilflosigkeit wimmelnder Menschenmassen auf seinen Tafelbildern inszeniert. Vor allem wurde 1968 der gesamteuropäische Aspekt des Preises betont. Auch Künstler aus den Ostblockstaaten wurden eingeladen. Zum erstenmal begegnet man hier, von westdeutschen Jurymitgliedern vorgeschlagen, einem Maler aus der DDR: Gerhard Altenbourg. Tadeusz Kantor als Vertreter Polens wurde für seine Schirm-Emballagen mit einem Preis bedacht. Den Hauptpreis erhielt Pierre Alechinsky, Mitbegründer der Gruppe Cobra, für seine „Leçon de naturel“. Die von der Jury ventilierte Frage, ob der Marzotto-Preis „Weihe oder Entdeckung“ bezwecke, ist offenbar im Sinne der Weihe entschieden. Antes beispielsweise hält unter den deutschen Malern den Rekord an Kunstpreisen. Im ganzen sind in Nürnberg 142 Bilder von 30 Künstlern zu sehen.

Weiterhin im Programm:

Baden-Baden Bis zum 6. Oktober, Staatliche Kunsthalle: „Pablo Picasso – Das Spätwerk“

Die erste große Picasso-Ausstellung in Deutschland nach 13 Jahren und ein erster Versuch, das „Spätwerk“, dessen Beginn auf das Jahr 1944 datiert wird (die Befreiung von Paris, die Nachkriegsära als eine künstlerisch nicht überzeugende Zäsur), isoliert zu betrachten.