Konsul Adolf Westphal sucht für sein Unternehmen einen „Maßanzug“, weil „der alte Anzug im Laufe der Jahre für die drei Hamburger Betriebe der Gruppe durch das Schrumpfen der Belegschaft zu groß geworden ist“.

Westphal ist Vorsitzender des Vorstands der Howaldtswerke – Deutsche Werft AG, die nun in der zweiten Phase der Fusion steht. Die größte deutsche Werftgruppe – die viertgrößte der Welt – war am 1. Januar dieses Jahres aus den beiden bundeseigenen Howaldtswerken Kiel und Hamburg sowie der Deutschen Werft in Hamburg gebildet worden.

Der zweite Schritt muß nun konsequente und rationelle Arbeitsteilung sein. Die Kieler spezialisieren sich auf den Bau von Großschiffen mit mehr als 200 000 Tonnen Tragfähigkeit. An der Alster bauen die Hamburger Partner mittlere und kleinere Einheiten, besonders Kühlschiffe, Auch Reparaturen werden vornehmlich in Hamburg durchgeführt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der neuen Gruppe von Menges schrieb zu Beginn dieses Jahres dem Unternehmen ins „Stammbuch“, das heißt in die Werftzeitung der HDW: „Rationalisierung und Entwicklung werden bei der neuen Werft im Vordergrund stehen müssen, denn auf diesen Gebieten hat die deutsche Werftindustrie verlorenes Terrain vorallen Dingen gegenüber ausländischen Konkurrenten zurückerobern.“

Zunächst jedoch gibt das Unternehmen im Hamburger Raum Terrain auf, um die Fertigungsstätten zu konzentrieren. Rund 100 000 Quadratmeter Werftgelände werden vorläufig nicht genutzt. Die HDW will diese Fläche für neue Entwicklungsmöglichkeiten in Reserve halten.

Die Hamburger fassen in den nächsten zwei Jahren Betriebsteile zusammen, um zu einer sinnvollen Arbeitsteilung zu gelangen. Der Betrieb in Finken werden konzentriert sich ganz auf den Schiffsneubau bis zum Stapellauf, Anschließend werden die neuen Schiffe im Werk Ross ausgerüstet. Der dritte Hamburger Betrieb, die Reiherstiegwerft, wird vorwiegend Reparaturen ausführen.

Schon nach einem Jahr kann, so meint der Vorstand, die Neuordnung durch die Ersparnisse auf Grund der Rationalisierung finanziert werden. Die Schiffbauer rechnen damit, daß die Umschichtung der Produktion bis 1970 abgeschlossen ist; erst dann wollen sie größere Neuinvestitionen vornehmen.

Die Arbeitsplätze sollen trotz der Neugliederung erhalten bleiben. Knapp ein Viertel der 9000 Hamburger Beschäftigten dieser Werftgruppe wird aber in den nächsten beiden Jahren mit einer Umsetzung innerhalb der drei Fertigungsanlagen rechnen müssen. c. b.