Christian Kracht, Axel Springers Generalbevollmächtigter und viele Jahre dessen Intimus und alter ego im Geschäftsbereich des Presseimperiums, hat sich mit seinem Verleger überwerfen. Er wird künftig nur noch für die Finanzpolitik des Gesamtunternehmens verantwortlich zeichnen. Kracht ist ein glänzendes Talent im Spitzenmanagement. Lange Zeit war er allein darauf bedacht, die wirtschaftliche Kraft des Konzerns zu stärken. Doch seit geraumer Zeit durch Springers politische Extravaganzen und dessen Lieblingsvorstellung von einer nationalen Kampfpresse irritiert, mühte er sich immer beharrlicher um politische Mäßigung, wollte er vor allem die Welt in eine liberalere Zeitung zurückverwandeln. Um sich dem Beschuß durch die Öffentlichkeit zu entziehen, verkaufte Springer unlängst Jasmin, Eltern und andere politisch völlig unverfängliche Blätter. Manche glaubten, darin endlich ein erstes Zeichen sehen zu können, daß der Presse-Zar sein Problem zu begreifen beginne und zunächst erst einmal die wirtschaftliche Konzentration seines Konzerns abbauen wolle. Krachts Rückzug indes deutet darauf hin, daß Springer lieber seinen Spitzenmanager missen, als einen Mahner erdulden will; mit politischer Einsicht des Verlegers ist nicht zu rechnen. D. Z.