Eine Grenze der Freiheit dürfte auch im Sozialismus nicht überschritten werden, sagt Ernst Fischer, der reformfreudige marxistische Denker aus Wien: Antisemitismus müsse verboten bleiben. Seine Bemerkung war auf den Osten gemünzt, auch auf die Kommentare von „Neues Deutschland“ zu den Vorgängen in der ČSSR. War es schon beschämend genug, daß dreißig Jahre nach München wieder deutsche Soldaten in das kleine Nachbarland einrückten, so trieben die Ostberliner Redakteure die peinlichen Parallelen noch weiter, als sie die hanebüchene Überschrift erfanden: „Der Zionismus herrscht in Prag.“ Im „Völkischen Beobachter“ hieß es seinerzeit: „Die Juden herrschen in Prag.“

Gleiche Brüder, gleiche Kappen... Simon Wiesenthal, der Jäger aller großen und kleinen Eichmanns, hat vor einigen Tagen dokumentarisch nachgewiesen, daß neununddreißig ehemalige Nationalsozialisten in Presse und Rundfunk der DDR untergeschlüpft sind. Ihr Parteibuch hat gewechselt, nicht die Sprache. Alle moralische Entrüstung der SED-Presse über die westdeutschen Nazis entpuppt sich als arge Heuchelei. Die schlimmsten, weil unverbesserlichen Nazis, sie sitzen nicht in Bonn, sondern in Ostberlin.

Sie haben nichts dazugelernt, damals nicht, heute nicht. Und dabei, so entrüstete sich Dr. Günter Kertzscher, der stellvertretende Chefredakteur des „Neuen Deutschland“, vor einigen Tagen, dabei hätte man nur rechtzeitig auf die Kommunisten hören müssen, dann wäre man 1939 nicht vom Krieg überrascht worden. „Viel früher hatten wir am Kreuzweg gestanden, schon 1933. Damals schon konnte man wissen, wohin die Wege führten“, meint Kertzscher.

Er jedenfalls wußte es ganz genau: Er trat 1937 in die NSDAP ein, Mitgliedsnummer 4 532 251. K. H. J.