Von Willi Bongard

Leidenschaftliche Teilnahme am Kunstgeschehen unserer Tage, Freundschaft zu Künstlern, Nachbarschaft zu allem Künstlerischen als Lebenselixier überhaupt haben die Sammlung Hahn entstehen und immer weiter wachsen lassen“, so heißt es – ein wenig rätselhaft – im Vorwort zu dem Katalog, den das Kölner Wallraf-Richartz-Museum einer Ausstellung von Werken zeitgenössischer Kunst aus der Sammlung Hahn mit auf den Weg gab.

So mancher Besucher dieser eindrucksvollen Ausstellung, die während der Sommermonate in Köln zu sehen war und die so etwas wie einen Querschnitt durch das amerikanische und europäische Kunstschaffen des letzten Jahrzehnts bot, mag sich gefragt haben, wer denn dieser Wolfgang Hahn ist, der sich eine solche Sammlung leisten kann.

Ist es nicht so, daß Kunstsammeln ein typisches Hobby von Millionären, mithin das Vorrecht einiger weniger Privilegierter ist? Was hilft die leidenschaftlichste Teilnahme am Kunstgeschehen, wenn man sie nicht finanzieren kann? Die Preise, wie sie heute selbst für Werke zeitgenössischer, nicht etablierter Kunst gefragt werden, lassen den Gedanken, eine eigene Sammlung aufzubauen, meist erst gar nicht aufkommen.

Wolfgang Hahn sieht indessen weder wie ein Millionär aus, noch ist er einer. Als Chefrestaurator des Wallraf-Richartz-Museums ist er mit dem mittleren Einkommen eines Angestellten geradezu der lebende Beweis dafür, daß es beinahe jedermann möglich ist, eine große, zumindest eine großartige Sammlung aufzubauen. Vorausgesetzt, daß der Enthusiasmus dafür da ist (guter Wille allein reicht nicht!) – gekoppelt mit Opferbereitschaft, Beharrlichkeit und einem Mindestmaß an Kennerschaft.

Zugegeben, Wolfgang Hahn, Jahrgang 1924, hatte das Glück, als Sohn eines kunstinteressierten Oberstudiendirektors aufzuwachsen, der sich freilich nie ein „Original“ glaubte leisten zu können, der dafür aber um so fleißiger Reproduktionen kaufte und damit seine Schüler wie auch seine Familie „auf den Geschmack brachte“. Wolfgang Hahn war sechzehn Jahre alt, als er – 1940 – sein erstes Ölbild, „Los dos amigos“, des damals als „entartet“ angesehenen Kölner Maler-Architekten Peter Abelen erwarb. Zum „Freundschaftspreis“ von 250 Reichsmark. Das Geld dazu hatte er sich als Schüler während der Ferien in einer Fahrradfabrik erarbeitet.