Das Hornberger Schießen fand diesmal in München statt. Doch die Schützen konnten zumindest feststellen, daß aus Schulen nicht nur Kinder, sondern auch Bauherren lernen können.

Die Sache begann so: Im Stadtteil München-Perlach sollte eine neue Schule gebaut werden. Auf die Ausschreibung der Stadt München hin gaben unter elf Konkurrenten die Firmen Dyckerhoff & Widmann das billigste Gebot ab. Das städtische Bauamt nannte eine Summe von 6,6 Millionen, verschwieg aber, daß die reinen Baukosten von Dyckerhoff & Widmann nur auf 4,8 Millionen Mark beziffert wurden. Der Rest entfiel auf andere Ausgaben, wie Außenanlagen, Möblierung und ähnliches.

Dr. Abress vom Investitions-, Planungs- und Olympia-Amt der bayerischen „Metropole mit Herz“ erschienen diese Angebote zu hoch. Zunächst einmal fuhr er mit einem Vertreter der „Neuen Heimat“ dem gewerkschaftseigenen Bauunternehmen und einem Oberschulrat aus dem Schulreferat der Stadt München nach Unterhaching, um eine Schule zu besichtigen, die die „Neue Heimat“ für 3,5 Millionen Mark erstellt hatte.

Für das Projekt Perlach offerierten die gewerkschaftlichen Baumeister der Stadt München eine Kalkulation in Höhe von 5,4 Millionen Mark. Die Reaktion kam prompt. Die „Neue Heimat“ ließ sich als Preisbrecher feiern, während die privaten Bewerber als Halsabschneider mit Schimpf und Schande bedeckt wurden.

Doch der Pferdefuß zeigte sich bald. Die Bauwirtschaft fuhr nun ihrerseits grobes Geschütz gegen die Stadt München auf. Es war ihr relativ leichtgefallen, der Stadtverwaltung Verfahrensverstöße nachzuweisen.

Nach der Verdingungsverordnung für Bauleistungen – VOB – muß nach der Ausschreibung ein Termin für die öffentliche Öffnung aller eingegangenen Angebote festgesetzt werden. Dort wird dann – im Beisein aller Konkurrenten – die endgültige Summe der Baukosten bekanntgegeben. In der Regel erhält dann das billigste Angebot – sofern es den geforderten Bedingungen der Ausschreibung entspricht und auch technisch die bestmögliche Lösung darstellt – den Zuschlag.

Im Fall der Perlacher Schule aber hatte die Stadt München auf eine öffentliche Öffnung der Angebote verzichtet und später – als ihr die Kalkulationen zu hoch erschienen – ein neues Angebot eingeholt, das der „Neuen Heimat“.