Berlin

Hie stolze Bestätigung: 45 000 Wochenendspaziergänger auf sieben dem Publikumsverkehr freigegebenen Großbaustellen als ein Auftakt der Berliner Bauwochen, spektakuläre Eröffnung der Nationalgalerie, Mammutrichtfest für 5277 Wohnungen im Märkischen Viertel;

da: Analysen und Kritik; „das große Buh der Eauwochen“ („Der Tagesspiegel“), 120 Jungarchitekten, freiberufliche, angestellte, beamtete und noch studierende, die sich im Zimmer 507 der Architektur-Fakultät an der Technischen Universität Berlin zu der „Aktion 507“ zusammenschlossen, halten „statt einer Selbstdarstellung die kritische Analyse des Baugeschehens für weitaus wichtiger“. Sichtbares Ergebnis dieser Zielsetzung ist die vom Senat nur widerwillig geforderte Ausstellung „Diagnose zum Bauen in Westberlin“.

Das Versprechen, eine vom Bund Deutscher Architekten (BDA) und vom Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV) angeregte Ausstellung der jungen Architektengeneration Berlins mit 13 000 Mark zu unterstützen, löste der Bausenator nur ungern ein. Denn die Exposition von Arbeiten junger Architekten, so wie die BDA- und AIV-Initiatoren sie beabsichtigten, fand nicht statt, sie wurde von der „Aktion 507“ in eine kritische Auseinandersetzung mit der Berliner Baupolitik und Bauwirtschaft umfunktioniert.

Statt offiziösem Gepränge und Festrhetorik also Improvisation und Polemik. Der Weg in die Ausstellung – das heterogene Ergebnis langer Diskussionen in zehn Arbeitsgruppen – führt hinter einen Bauzaun in den Rohbau des Städtebiu-Instituts am Ernst-Reuter-Platz. Farbige Spruchbänder („Sei schlau, verdien’ beim Bau“ oder „Wer pariert, wird prämiiert“) über den Köpfen der Besucher, an den Wänden sorgfältige graphische Darstellungen, Bauphotos, Schautafeln, Modellabbildungen und zum großen Teil im Fachjargon abgefaßte Texte. Eine Ausstellung von Informierten für Informierte.

Aus einem Lautsprecher dringen die Stimmen der andernorts gepriesenen Trabantensiedlung Märkisches Viertel: „...hier würde ick nicht jeschenkt drin wohnen, nich in diesem Uffmarschjebiet...“, „... jar nischt jibt’t hier, det einzije, wat det hier jibt, is Langeweile...“. Die Erbauer des Viertels beabsichtigten anderes: „Wir wollen Blumen und Märchen bauen.“

Die „Aktion 507“ beläßt es nicht bei dieser Konfrontation von Architektenlatein und Mieterbefund. So stellt beispielsweise die Arbeitsgruppe „Architekturtheorie“ die Frage nach dem Selbstverständnis des Architekten in unserer Gesellschaft, die Ad-hoc-Gruppe „Hochschuldidaktik“ erhebt die Forderung nach einer Umstrukturierung und Neuorientierung des Architekturstudiums.