Von Werner Höfer

Wenn er spricht, dann hat er etwas zu sagen zur Sache. Wenn er schweigt, dann hat das auch etwas zu sagen – um der Sache willen. Wenn er gefragt wird, darf er nicht kneifen – nicht einmal in eigener Sache. So steht Günter Diehl, der Sprecher der Bundesregierung, Rede und Antwort, obwohl es nicht nur um seine Sache, sondern um seine Person geht – und um die seines Stellvertreters.

Mit Gelassenheit hört sich der Leiter des Presse- und Informationsamtes’ der Bundesregierung die Behauptung an, seinem Hause sei etwas widerfahren, was sich seit Etablierung der Großen Koalition noch nicht ereignet habe: von allen Parteien angegriffen zu werden. Für die Bildung dieser kritischen Allparteienfront hat der Staatssekretär eine ebenso verblüffende wie plausible Begründung: Die FDP-Attacke, von Karl Moersch vorgetragen, habe den cleveren Korrespondenten einer amerikanischen Nachrichtenagentur auf den naheliegenden Gedanken gebracht, auch bei den Partnern der Großen Koalition Urteile über das Amt und seine Leitung einzuholen. So sei dieser Beschwerde-Dreiklang nicht spontan, sondern unter journalistischer Stabführung angestimmt worden.

Keineswegs auf diesen Vorgang bezogen und beiseite sprechend wie der père noble im gepflegten Konversationstheater, verweist Günter Diehl auf das zwar nicht beklagens-, aber immerhin bemerkenswerte Phänomen, daß in der Bundesrepublik Deutschland zwei amerikanische Agenturen ihren Geschäften nachgehen. („Was würden die Amerikaner wohl sagen, wenn die Deutsche Presse-Agentur, falls sie Geld und Lust dazu hätte, sich auf dem amerikanischen Nachrichtenmarkt betätigte?“)

Auf den Kern der Moersch-Vorwürfe reagiert Diehl teils spielerisch, teils bekennerisch: 5000 Mark, also etwa ein Monatsgehalt, bietet er jedem, der ihm einen Brief vorweist, in dem er sich bei einem Chefredakteur oder einem Intendanten über irgend etwas oder über irgendwen beschwert habe. Über die Zwischenfrage, ob er diese Wette auch für alle Leute und alle Fälle halte, geht er mit der Erklärung hinweg: „Ich habe noch nie um eine Berichtigung nachgesucht. Ich habe auch noch nie einen Prozeß geführt. Wenn ich das in meinem gegenwärtigen Amt immer dann wollte, wann ich könnte, müßte ich mir wohl eine Abteilung des Justizministeriums angliedern.“

„Die kritische Dreistufenrakete, die auf Ihr Haus abgefeuert wurde, enthält aber einige brisantere Vorwürfe: das Bundespresseamt betreibe Wahlhilfe, Angehörige der einen oder der anderen Partei würden bevorzugt oder benachteiligt und führende Vertreter des Amtes betrieben eine unstatthafte persönliche Publizität.“

Wie ein Rundfunkintendant in London und Köln, wenn er sich von links wie rechts kritisiert findet, möchte Günter Diehl in der Gleichzeitigkeit und Allseitigkeit der Angriffe gegen sein Amt einen Beweis für dessen unparteiische Arbeitsweise sehen. Indessen bestreitet er nicht, daß im Presse- und Informationsamt die Personalumschichtung nicht bis zum letzten Boten entsprechend der Koalitionsbalance vorgenommen wurde, was allein aus beamtenrechtlichen Gründen nicht zu realisieren sei. Die Entwicklungsgeschichte des Hauses habe dafür gesorgt, daß die Partei, die fünfzehn Jahre lang in der Politik dominierend war, auch im Bundespresseamt stark repräsentiert sei. Er habe jedoch einige Cliquen, die sich gebildet hätten, liquidiert. Ob diesem Liquidationsprozeß auch die Vormachtstellung einer farbentragenden katholischen Korporation zum Opfer gefallen sei, möchte Diehl – „Ich halte nichts von der Konfessionalisierung der Politik ...“ – unerörtert lassen.