Ian Smith, der rhodesische Premierminister und „Rebell“ gegen die britische Krone, muß jetzt auch im eigenen Land schwer um seine Politik kämpfen. Vor drei Jahren, als sich das Regime der weißen Siedler ohne Einwilligung Großbritanniens unabhängig erklärte und sich damit einen weltweite! Handelsboykott zuzog, stand die „Rhodesische Front“ wie ein Mann hinter Smith. Jetzt aber gerät er unter zunehmenden Druck des rechten Flügels, der nach südafrikanischem Vorbild eine stumme Apartheid-Politik betreiben will.

Die Zeichen stehen auf Sturm: Vorige Woche erklärte Außenminister Lord Graham seinen Rücktritt. Er folgte dem radikalen Innenminister Harper, der schon im Juli aus dem Kabinett ausgeschieden war. Ganze Ortsgruppen der Partei haben ihren Austritt erklärt, andere Mitglieder des rechter. Flügels wollen innerhalb der Partei Opposition treiben.

Lord Graham sagte sich von Smith los, nachdem sein Plan für ein System der Apartheid auf dem Parteitag der Rhodesischen Front verworfen worden war, allerdings nur mit knapper Mehrheit.

Denn Smith konnte seinen eigenen Verfassungsplan nur mit einem Vorsprung von elf Stimmen bei siebzig Enthaltungen durchsetzen. Dieser Plan, über den die rhodesischen Wähler vielleicht schon in den nächsten Wochen abstimmen werden, sieht zwei Phasen vor: Für eine Übergangszeit soll ein Parlament gewählt werden, in dem die schwarzen Einwohner stärker vertreten sind als bisher, womöglich sogar bis zur Parität mit den Weißen. Nach fünf Jahren sollen dann jedoch zwei rhodesische „Bantustans“ gebildet werden, also autonome afrikanische Gebiete innerhalb des rhodesischen Staates.

Noch fühlt sich Smith stark genug, seinen Kurs fortzusetzen. Die Opposition würde jedoch sofort großen Zulauf bekommen, wenn das von ihm soeben angebotene neue Gespräch mit der britischen Regierung wiederum ergebnislos verliefe. Wilson, ist einem solchen Treffen nicht ganz abgeneigt, da er sowohl von den Konservativen als auch von Südafrika dazu gedrängt wird.

Auf eine Einigung zwischen London und Salisbury besteht freilich kaum Aussicht. Die Labour-Regierung beharrt nach wir vor auf den sofortigen Übergang zu einer Mehrheitsregierung, in der die Vertreter der vier Millionen Schwarzen, über die dreihunderttausend Weißen dominieren würden.