London, im September

Vor acht Jahren gründeten der Philosoph Bertrand Russell und sein Adlatus Ralph Schoenman das „Komitee der 100“, eine Gruppe prominenter Protestierer, die unzufrieden waren mit den Aktionen der Anti-Atomwaffenbewegung. Die österlichen Märsche von Vater, Mutter, Kind und Kegel nach Aldermaston, dem britischen Atomzentrum, war ihnen zuwider. Sie wollten mehr. Aber sie erreichten weniger.

Ihr Versuch scheiterte, rechtschaffende Bürger und politisch bewußte Arbeiter für ihre Sache zu gewinnen. Darum haben sie sich jetzt aufgelöst. Sie mußten einsehen, daß ihr Komitee eine Sekte blieb.

Sekretär Peter Cadogan, Englands führender Protest-Organisator, erklärte, die Lage habe sich so verändert, daß eine „andere Form des Zusammenschlusses“ nötig sei. Er baut nun auf die „Außerparlamentarische Demokratie“. Aber es lag nicht an äußeren Formen, daß dem Russell-Unternehmen der Erfolg versagt blieb. Längst hatte das Komitee sich mit allerlei anderen Protestthemen befaßt, nur nicht mehr mit der Bombe. Man forderte „Hände weg von Kuba“ oder „Hände her für Griechenland“, verurteilte die sowjetische Invasion in Prag und die Untätigkeit der Welt angesichts der Not in Biafra. So kommt die unfeierliche, stille Beisetzung des „Komitees der 100“ nicht mehr überraschend.

K-H.W