Die Geburtstagsfeier fiel kläglich aus. Zum fünftenmal trafen sich Afrikas Oberhäupter zu einer Gipfelkonferenz ihrer „Organisation für afrikanische Einheit“ (OAU), diesmal in Algier, und selbst diesmal, bei der Jubiläumssitzung, gelang es ihnen nur mit Mühe, zweierlei zu bewahren: die Organisation und die afrikanische Einheit.

Im Palast der Nationen zu Algier kreißte der Berg und gebar nichts als ein paar Resolutionen – gegen Rhodesien, Südafrika, Portugal und gegen Biafra. U Thant, der zur Eröffnung dieser 5. Gipfelkonferenz angereist war, beschwor die Delegierten, darunter Monarchen und Präsidenten, dem Morden in Biafra ein Ende zu machen – doch die Ermahnten beließen es bei wortreichen Rügen an die Adresse der Kämpfenden. Das Thema Biafra war der Hauptberatungspunkt der OAU-Konferenz – doch einer Abordnung dieser abgefallenen Nigeria-Provinz untersagte Algiers Staatschef die Einreise.

So wird die Strafaktion gegen die abgefallenen Ibos in einem Massaker enden, ohne daß es die afrikanischen Staatsmänner zu verhindern vermögen. Die Organisation und die afrikanische Einheit mag auf diese Weise noch einmal gerettet werden; ihr Unvermögen indessen, einen Krieg rechtzeitig zu verhindern oder ihn einzudämmen, ist geschichtsnotorisch geworden. Selbst Äthiopiens Kaiser Haile Selassi, der sich zuvor vergebens als Vermittler bemüht hatte, wagte in Algier keinen neuen Vorstoß; er hat offenbar resigniert. Allein Kenneth Kaunda, Sambias Präsident, der Biafra diplomatisch anerkannt hat, machte eine demonstrative Geste: Nach der Brandrede Boumediennes gegen die Helfershelfer der Ibos lehnte er eine Kandidatur für das Amt des OAU-Vizepräsidenten ab. Die übrigen Abgesandten aber schlugen sich einmütig auf die Seite von Lagos, bewogen von der Sorge, daß es vielleicht schon morgen in einem ihrer Länder zu einem „Biafra“ kommen könnte.

Übereinstimmung gab es auch, zumindest nach außen hin, in der Verurteilung der Politik in den letzten weißen Bastionen Afrikas gegenüber Rhodesien, Portugal und Südafrika. Beklatscht wurden die Angriffe gegen den „Imperialismus“, gegen die „Ausbeutung“ durch die westlichen Staaten, allen voran durch die USA, durch Großbritannien und die Bundesrepublik. Die Waffenlieferungen Moskaus an Lagos fielen dagegen nicht unter diese Verdammungskategorien.

Vierzig Staaten Afrikas haben bisher ihre Freiheit gewonnen. Auch ihre Unabhängigkeit?

D. St.