Die Gipfelkonferenz der „Organisation für afrikanische Einheit“ (OAU), die am vorigen Wochenende in Algier tagte, hat Biafra das Recht auf Unabhängigkeit abgesprochen. Eine Resolution, die von 33 gegen vier Mitgliedsstaaten verabschiedet wurde, fordert die Kriegsparteien auf, alle Kampfhandlungen zu beenden, um „Frieden und Freiheit Nigerias“ wiederherzustellen. Den biafranischen Soldaten solle eine Generalamnestie gewährt werden.

Es war die fünfte Gipfelkonferenz, die seit Gründung der Organisation stattfand. Doch Afrikas Einheit war weiter denn je. Von den 40 Mitgliedsstaaten waren zwar (ohne Malawi) 39 Länder vertreten, aber nur 22 durch ihre Staatsoberhäupter.

Der gemeinsame Kampf gegen Rassismus, Kolonialismus und weiße Söldner stand im Mittelpunkt der Beratungen: Die vor den Staatschefs tagende Außenministerkonferenz hatte das Jahr 1969 zum „Jahr des Kampfes gegen Rassismus und rassische Diskriminierung“ proklamiert. Aber die Kabalen zwischen den afrikanischen Staaten, bei denen schon mehr als einer weiße Hilfe in Anspruch nahm, ließ rechte Eintracht in Algier nicht aufkommen.

Nachdem der algerische Staatspräsident Boumedienne den Krieg Nigerias in seiner Begrüßungsansprache als Antwort auf eine „imperialistische Konspiration“ dargestellt hatte, lehnte es Präsident Kaunda von Sambia ab, sich zum Vizepräsidenten der Konferenz wählen zu lassen. UN-Generalvertreter U Thant erinnerte an die Resolution der letzten afrikanischen Gipfelkonferenz von Kinshasa, die „die Souveränität und Integrität Nigerias“ anerkannt und ihr „Vertrauen in die Bundesregierung“ ausgedrückt hatte.

Kaiser Haile Selassi von Äthiopien berichtete über die nigerianisch-biafranischen Friedensgespräche, die auf Betreiben der OAU unter seiner Schirmherrschaft Anfang August in Addis Abeba stattgefunden hatten. Zu einer neuen Vermittlungsaktion aber konnten sich die afrikanischen Staatschefs in Algier nicht aufraffen.