Zur deutschen Premiere von Kubricks "2001: A Space Odyssey"

Von Uwe Nettelbeck

Sicherlich noch nie in der Geschichte des Kinos hat ein Filmemacher so viel Geld so konsequent zu seinem eigenen Vergnügen ausgegeben wie Stanley Kubrick für seinen mit ausgegeben schem Geld in England gedrehten Multimillionendollarfilm "2001: A Space Odyssey". Entstanden ist dabei der hinreißendste Multimillionendollarfilm in der Geschichte des Kinos.

Andere Multimillionendollarfilme zeigen Dollar um Dollar her: Stars, Komparsenaufmärsche, Jubel, Trubel, Sensationen; der Zuschauer bleibt stets in der Lage, eine ziemlich genaue Rechnung aufzumachen, weil er nur sieht, was er kennt, und darum weiß, was es kostet. Stanley Kubricks Film ist nur noch anzusehen, daß er teuer war, aber beim besten Willen nicht, wo die Millionen stecken, denn was zu sehen ist, war noch nie zu sehen.

Und noch nie in der Geschichte der Kinos hat ein Filmemacher einen Multimillionendollarfilm so konsequent an allen Gepflogenheiten des Multimillionendollarfilmgeschäfts vorbei inszeniert. In keinem Multimillionendollarfilm gab es bisher so lange Einstellungen, in denen so wenig passiert. Raumschiffe gleiten so unmerklich langsam über die Cineramaleinwand, daß sie fast stillzustehen scheinen. Endlos drehen sich winzige Dingerchen, die in einer Ecke der Leinwand auftauchen, zu riesigen Raumstationen auf und schieben sich dann allmählich wieder aus dem Bild. Pompöse Aufblenden reihen sich aneinander und zeigen immer die gleiche Landschaft, in der nichts wächst und nichts sich bewegt. Stanley Kubrick bringt es fertig, im Cineramaverfahren auf einen Sonnenaufgang zu warten. Er bringt es fertig, vier- oder fünfminutenlange Einstellungen aneinander zu montieren, die an Aktion nur ein paar auf und nieder hüpfende Affen bieten. Sein Film ist das erste Cineramaspektakel, das sich den Luxus leistet, Zeit vorzuführen. Schon darum, nur um zu erleben, wie lang eine Cineramaminute ist, lohnt es sich, diese Weltraum-Odyssee anzusehen. "2001: A Space Odyssey" ist der erste Multimillionendollaruntergrundfilm.

Auch die Geschichte, die Stanley Kubrick erzählt, ist an Witz und Entschlossenheit, noch die abenteuerlichsten Einfälle mit einem abenteuerlichen Aufwand zu realisieren, den üblichen Hervorbringungen des Genres überlegen.

Sie beginnt mit pathetischen Tableaus aus der "Morgendämmerung der Menschheit". Eine Affenhorde hockt um ein Wasserloch. Eine zweite Affenhorde taucht auf. Ein Kampf um das Wasserloch entbrennt. Geschlagen muß die erste Horde weichen. Eines Morgens dann entdecken Affen einen schimmernden Monolithen, der über Nacht lautlos in ihrer Mitte landete. Sie näherten sich voller Furcht dem schwarzen Rechteck und wagen es schließlich, das Ding zu berühren.