In den Neigungen, andere zu beschimpfen, sich selbst zu kritisieren und eine bedrohliche Situation etwa durch einen Scherz zu entschärfen, stimmen eineiige Zwillinge weitaus genauer überein als zweieiige. Und da eineiige Zwillinge identische Erbanlagen besitzen, zieht der Verhaltens-Genetiker Dr. Steven G. Vandenberg aus diesem Ergebnis den Schluß, daß der Grad der Aggressivität genetisch bestimmt und vererbbar ist. Der Forscher hatte 196 – zur Hälfte eineiige – Zwillingspaare im Alter von zehn Jahren mit einem Aggressivitäts-Standardtest geprüft. Einen ersten Hinweis darauf, daß das Maß an Aggressivität in den Grenzen verankert ist und durch züchterischen Einfluß verändert werden kann, erbrachte die Haustierforschung. So sind zu sportlichen Zwecken besonders kämpferische Hühnerrassen gezüchtet worden, die ihren Kampfwillen auch an andere Rassen weitervererben. Die wilde Stammform des Kampffisches kämpft höchstens fünfzehn Minuten lang, wogegen die zu einem Kampfsport gezüchtete Haustierform stundenlang bis zur Erschöpfung kämpft. Den Kampffischen vergleichbar sind die Ute-Indianer Nordamerikas, die sich durch ihre Stammesgesetze einen starken Aggressionstrieb „angezüchtet“ haben und seit ihrer Befriedung an dem unausgelebten Erbe leiden sollen. ing