Von Hermann Funke

Auf das Zeichen Haftmanns setzten zwei Bands ein: Die Neue Nationalgalerie war eröffnet (zunächst jedoch nur für die 1200 geladenen Gäste, dunkler Anzug), und animiert von dem Hochgefühl, dabei zu sein, den Festreden der Prominenz, dem reichlich angebotenen Freisekt und den im Skulpturengarten beatenden „Odd Persons“ wagten einige Ausgelassene sogar den Tanz.

Es war ein schönes Fest in einer heilen Welt aus Sekt und Beat, Mini, Kunst und Architektur.

Auch einige hundert meist jüngere Leute, die nicht in das streng bewachte Haus eingelassen wurden und dem Schauspiel im tieferliegenden Skulpturengarten von der nicht durch ein Geländer gesicherten Plattform aus zusahen, konnten die Stimmung nicht trüben.

Die Draußengebliebenen feierten Mies auf ihre Weise. Während der Einweihung der Neuen Nationalgalerie legten sie einige hundert Meter weiter am Landwehrkanal den Grundstein für den nächsten Mies-Bau. Die APO will das von Mies 1926 gebaute und von den Nazis abgerissene Denkmal für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht an dieser historischen Stelle wiedererrichten.

Die Leute, die out waren, und die Leute, die in waren, kamen nicht zueinander. Versuche, die Ehrengäste über Handlautsprecher zur Teilnahme an der Grundsteinlegung zu bewegen, scheiterten schon daran, daß der Beat die APO übertönte. Die „Odd Persons“ erfüllten nicht nur die Funktion, die Ehrengäste davon zu überzeugen, daß sie jung sind und richtig liegen, sie schirmten auch das Fest akustisch vor Einmischungen von außen ab und verteidigten den 82jährigen gegen den 40jährigen Mies, die Nationalgalerie gegen das Denkmal, die Kunst als (angeblich) solche gegen die politische Kunst.

Die Neue Nationalgalerie ist ein flaches und breites, sockelartiges, vertieft liegendes Gebäude mit einem tempelartigen Aufbau aus Stahl und Glas. Man weiß zunächst nicht ganz, ob es sich um ein einziges Gebäude handelt oder um zwei, von denen eines auf dem anderen steht. Das untere wäre dann das „eigentliche“ Museum. Das Auffälligste ist aber die Ausstellungshalle darüber, also das uneigentliche Museum.