Die Rolle des englischen Pfundes als eine der Leitwährungen der westlichen Welt geht zu Ende. Londoner Freunde müssen helfen.

Dem Gouverneur der Bank of England, Sir Leslie O’Brien, blieb der Canossa-Gang nach Basel nicht erspart. Dort mußte er den Zentralbankgouverneuren von zehn Ländern vermelden, daß die Länder der Sterling-Zone, die ihre Währungsreserven in Pfund Sterling in London unterhalten, zu einer Kooperation bereit sind, wenn der Baseler Club Großbritannien einen neuen Bereitschaftskredit gewährt. Zwei Milliarden Dollar wollen diese Länder, unter ihnen auch die Bundesrepublik, London zur Verfügung stellen, falls die Länder der Sterling-Zone ihre Währungsreserven benötigen oder in andere Währungen umtauschen wollen.

Von der Leitwährung zur Leitwährung könnte man die Nachkriegsgeschichte der englischen Währung überschreiben, in der nach 1945 immerhin noch rund 40 Prozent des gesamten Welthandels abgewickelt wurden.-Von dem Stolz des einstigen englischen Weltreiches sind nur noch Rudimente übriggeblieben.

Von Krise zu Krise taumelnd, trotz Abwertung ständig auf die massive Unterstützung internationaler Organisationen und befreundeten Staaten angewiesen, hat sich die englische Regierung lange geweigert, die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen, daß nämlich Großbritanniens Wirtschaft in ihrer heutigen Form als Grundlage für eine Leitwährung zu schwach ist.

Jetzt ist es endlich soweit. Der neue Kredit dient nicht mehr dazu, ein Loch in Londons Zahlungsbilanz zu stopfen, sondern er soll dem Pfund den Rückzug aus der strapaziösen und ungeliebten Rolle der Leitwährung ermöglichen.

Mit Hilfe der neuen Milliarden wollen die kreditgebenden Länder von Fall zu Fall für Londons Verpflichtungen gegenüber den Ländern des Sterlingblocks geradestehen. Ein Druck auf das Pfund von dieser Seite wird damit ausgeschaltet. Das heißt aber noch lange nicht, daß England damit über den Berg ist. Die Sisyphus-Arbeit der Modernisierung von Großbritanniens Wirtschaft liegt weiterhin vor Harold Wilson. Lediglich die Ansteckungsgefahr durch die englische Krankheit ist für das internationale Währungssystem geringer geworden.

Es wäre wenig sinnvoll, jetzt mißbilligend festzustellen, daß Englands falscher Stolz den notwendigen Schritt zu lange hinausgezögert hat, daß das Zaudern Wilsons Englands Verbündete viel Geld kostet.