Kaiser Wilhelm II. in Doorn – Eine Tragigroteske

Von Alexander Rost

Sigurd von Ilsemann: „Der Kaiser in Holland. Monarchie und Nationalsozialismus 1924 bis 1941“; herausgegeben von Harald von Koenigswald; Biederstein Verlag, München; 366 Seiten, 25,– DM.

Am 22. August 1934 schrieb Sigurd von Ilsemann, der letzte Flügeladjutant Kaiser Wilhelms II., in sein Tagebuch:

„Und wen hat S. M. schon an alten persönlichen Freunden? Fürst Fürstenberg ist wohl der einzige. Gestern abend traf er mit der Fürstin in Doorn ein. Auf dem Holzplatz erzählte er mir, wie tätig er jetzt bei den Nazis sei, daß er dauernd Propagandareden vor vielen tausend Menschen halte. Und nun kommt der Fürst heute mit S. M. über den Nationalsozialismus ins Gespräch; der Kaiser glaubt, bei seinem einzigen noch lebenden Freunde Verständnis zu finden, der hohe Herr erzählt ihm von seinem Haß und Zorn, den er gegen die Nazis empfindet. Der Kaiser spricht wohl fünfundvierzig Minuten hintereinander, manchmal legt er eine Pause ein, um auf die Stellungnahme des Fürsten zu warten, der aber erwidert kein Wort...“

Am 15. September 1934, nach einem Besuch des Generalleutnants Friedrich von Unruh, hielt Ilsemann dieses Gespräch mit dem Kaiser in An- und Abführungsstrichen fest:

Unruh: „Glauben Euer Majestät wirklich, daß der Nationalsozialismus bald zusammenbrechen wird?“