François René Gebauer: "Konzertantes Quintett Nr. 1 B-dur", Gioacchino Rossini: "Quartett Nr. 6 F-dur", Anton Reicha: "Quintett C-dur, op. 99, 6"; Danzi-Quintett; Philips 802 869, 25,– DM

Die Militärmusik stand in Blüte, sie gab sich noch – Anfang des vorigen Jahrhunderts – kammermusikalisch und tänzerisch. So war die plötzliche Vorliebe für alles, was Bläser allein, zu zweit, dritt, viert, fünft blasen konnten, auch verständlich, sie war auch allgemein. Kein Wunder also, daß den Waldhornistensohn Rossini die Lust ankam, neben rund vierzig Opern auch ein hübsches Blasquartett zu fertigen. Was kümmert’s, daß daraus ein Beinahe-Operchen geworden ist: dramaturgisch gut gebaut, mit flotten Buffopartien, Kammerzofenliedchen und Schmalzarien, immer delikat, versteht sich, und eben das, was man musikalische Feinkost nennen kann. Daneben hat es der dem Militär nahestehende François René Gebauer mit seinem "konzertanten Quintett" ein bißchen schwer. Der Fagottist in der Nationalgarde, an der Oper und dann im Lehrkörper des Pariser Konservatoriums macht es lustig und ein wenig luftig, zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt: hören, amüsieren, vergessen. Auf der Rückseite der Platte triumphiert dann der Tscheche Anton Reicha, Lehrer Gounods, Berlioz’, Liszts, Cesar Francks, mit einem überwältigend einfallsreichen, sauber gearbeiteten Quintett voll origineller sublimer Effekte. Man gönnt ihm den Anspruch gern, Erfinder des Bläserquintetts (deren er 24 komponiert hat) zu sein. Historiker, die sein ganzes Werk kennen, behaupten, diese Stücke enthielten Reichas beste Musik. Das Danzi-Quintett behandelt alle drei Komponisten – den Militärmusikus, den Opernmeister, den Kammermusiker – gerecht, das heißt, außerordentlich gut. Was an den vier Holländern und ihrem englischen Fagottisten auffällt, ist ihr virtuoser Humor (der den Mut zur klassischen Schnulze einschließt). Manfred Sack