Von Rolf Zundel

Walter Henkels: „Lokaltermin in Bonn. Der Chefchronist erzählt“; Econ-Verlag, Düsseldorf; 345 Seiten, 22,– DM.

Wenn ein Autor, der über Politiker schreibt, schon im Vorwort zugibt, von Politik verstehe er nichts, so stimmt das einigermaßen mißtrauisch. Und die Zweifel wachsen, wenn er sich dieses Urteil auch noch von einem so ausgepichten Politiker wie Konrad Adenauer bestätigen läßt. Wer sich soviel Understatement leistet, muß seiner Sache schon sehr sicher sein.

Gewiß, Henkels erzählt viele Geschichten am Rande, unernste Geschichten auch noch, die nicht die Wellen des Zornes oder der Empörung anpeitschen, sondern zum Schmunzeln verleiten. Wahr ist wohl auch, daß der Autor nicht allzuviel Zeit mit dem Studium von Gesetzestexten zugebracht hat und die tiefschürfende Analyse mit gewaltigen Welt- und Menschheitsüberblicken seine Sache nicht ist. Ihn interessieren vor allem die Menschen, die sich dem merkwürdigen Geschäft der Politik verschrieben haben, ihre Stärken und, mehr noch, ihre Schwächen.

Walter Henkels ist seit 20 Jahren Beobachter der politischen Bühne in Bonn, selten erschüttert, oft amüsiert und stets neugierig. Er hat seine Pappenheimer kennengelernt – bei großen Staatsgeschäften und in kleiner Runde, mit Frack und in der Freizeit, und er weiß, wie man erzählt. Es ist eine etwas altmodische Erzählkunst, die er pflegt; das Eigentümliche, das Sonderbare wird herausgegriffen und dargestellt. Sehr oft gerät die Geschichte zur Anekdote, und manche klingen so, als seien sie in einer Herrenrunde bei fortgeschrittener Stimmung erzählt worden.

Erstaunlich ist dabei: Henkels versagt sich den Zynismus fast völlig, sogar bei Leuten, die er nicht mag. Er versucht nicht, jemand zu entlarven. Eben ein Hofchronist, der es mit der Gesellschaft, in der und von der er lebt, nicht verderben will? Gewiß nicht. Es findet sich in diesem Buch hie und da mal eine dürftige Anekdote, und manche läßt auch den Schmelz der Neuheit vermissen, aber ein devoter Ton ist nirgends zu entdecken, wohl aber stößt man auf manche Sätze, die ganz undramatisch, fast nebenher, das Bild einer Person oder einer Situation erhellen.

Wer sich auf angenehme Weise in die Geschichte Neu-Bonns und seiner Potentaten einlesen will, hat in Henkels den richtigen Autor gefunden. Und trotz des Verdikts von Konrad Adenauer läßt sich aus diesem Buch auch eine ganze Menge darüber lernen, wie in Bonn Politik gemacht wird.