Von Tadeusz Nowakowski

Es dauert nicht mehr lange, und sämtliche Werke des polnischen Erzählers Jerzy Andrzejewski, dessen Schaffen verschiedene Wandlungen durchgemacht hat, sind dem deutschen Publikum zugänglich. Soeben sind zwei neue Bücher von Andrzejewski in der Bundesrepublik erschienen –

Jerzy Andrzejewski: „Der goldene Fuchs“, Erzählungen, aus dem Polnischen von Renate Lachmann; Verlag Langen-Müller, München; 240 S., 18,50 DM

Jerzy Andrzejewski: „Appellation“, Roman, aus dem Polnischen von Peter Lachmann; Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 130 S., 15,– DM.

Fünf Erzählungen, geschrieben zwischen 1945 und 1959, und ein längerer Text, der kürzlich von der Warschauer Zensur verboten wurde und jetzt in Frankfurt am Main – deutscher Verleger, dein Freund und Helfer! – sozusagen seine „Welturaufführung“ erlebt.

In der Tat: seit seinem Debüt in den dreißiger Jahren hat Andrzejewski Verschiedenes geschrieben. Von dem engagierten Katholizismus à la Mauriac und Bernanons über „Après le Déluge“-Aussagen und unfreiwillige Anerkennung der offiziellen Literaturdoktrin bis zu mutigen „Tauwetter“-Werken. Er schreibt mit vielen Federn, und keinem Stil bleibt er treu. Im Roman „Asche und Diamant“ wurde die traditionelle Erzählerkunst demonstriert. Die Parabel von der spanischen (lies: stalinistischen!) Inquisition „Finsternis bedeckt die Erde“ hatte schon eine weniger herkömmliche Diktion. Aber den Versuch eines quasi-formalistischen Beinahe-Experimentes hat Andrzejewski erst in der Erzählung „Pforten des Paradieses“ unternommen: Obwohl er die geistigen Peripetien des modernen Menschen am Rande des Kinderkreuzzuges von 1213 in einem Satz (ohne Satzzeichen!) beschrieb, stellte sich noch kein atemberaubendes Experiment ein. Vielleicht war die Lektüre der Prosa von Joyce ein bißchen schuld daran. Jener Kolumbus aus Dublin, der vor einem halben Jahrhundert den „inneren Monolog“ entdeckte, und die Wiedergabe des Bewußtseinsstroms in einer Sprach- und Stilform, die das Hin- und Herwogen der Stimmungen und Gedanken in ihrer Überblendung zu kopieren sucht, scheint auch Andrzejewski zu faszinieren. Dennoch, sechs verschiedene Stile suchten einen Autor in Andrzejewskis Anti-Picasso-Schlüsselroman „Siehe, er kommt hüpfend über die Berge“, und beinahe eine kleine Anthologie der modernen Weltliteratur spiegelte sich in seiner Persiflage-Prosa wider.

Zum Glück kehrt nun Andrzejewski nach all diesem Hüpfen, nach allen diesen Entdeckungsreisen, jeder Bauchrednerei überdrüssig, zu seiner eigenen, unauffälligen und dadurch so überzeugend klingenden Sprache zurück. Er findet seine alte Seufzerbrücke wieder.