Schon immer haben die Flugkapitäne Ahrens und Kraus, Komplementäre der LTU, Lufttransportunternehmen GmbH & Co. KG, darauf gehalten, daß man auf einem Bein schlecht stehen kann. Neben dem Charterverkehr für die Flugtouristik, bei dem die LTU nach den Lufthansa-Töchtern Condor und Südflug den dritten Platz einnimmt, betreibt das Unternehmen daher einen regionalen Linienflugverkehr nach Saarbrücken, Hannover und Bremen (in Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Lufthansa.

Nun ist ein „drittes Bein“ hinzugekommen: die Geschäftsfliegerei. Die LTU hat hierfür vom Hamburger Flugzeugbau einen Hansa-Jet HFB 320 übernommen, den sie in eigener Regie betreibt. Nach den Erfahrungen der Anlaufzeit gibt es offensichtlich ein Bedürfnis, ein solches Flugzeug zu chartern.

Die eigentlichen Chancen dieses Geschäftszweiges scheinen jedoch auf einem anderen Gebiet zu liegen. Ein Geschäftsreiseflugzeug ist für ein einzelnes Unternehmen häufig nicht rentabel, weil es zu wenig ausgelastet wird. Offensichtlich tut sich die Wirtschaft aber schwer, in eigener Regie einen Flugdienst aufzuziehen, der die Rentabilität von Geschäftsreiseflugzeugen verbessert.

Nach Ansicht von Ahrens wird sich in nächster Zeit entscheiden, ob die Geschäftsfliegerei nun bei der Industrie bleibt oder ob sie sich zu den Fluggesellschaften verlagert. In den USA ist der Executive-Dienst bereits ein neuer Betätigungsbereich der Luftfahrtunternehmen.

Immerhin hält Ahrens es für möglich, bei einer Bereederung der Geschäftsreiseflugzeuge durch eine Fluggesellschaft die Kosten pro Flugstunde auf 1800 Mark zu drücken, während sie heute bei den Unternehmen bis zu 6000 Mark betragen.

Neue Wege geht die LTU auch im Flugtourismus, wo sie eine Kooperation zwischen Reiseveranstaltern und Fluggesellschaft befürwortet. Um eine Kontinuität in der Beschäftigung der Flugzeuge zu erreichen, ist das Unternehmen bereit, sich auch am Risiko zu beteiligen. In der Praxis heißt dies, daß die Veranstalter in bestimmten Reiseperioden nur die tatsächlich in Anspruch genommenen Sitze und nicht das ganze Flugzeug bezahlen.

Noch ein halbes Jahr, und die LTU wird nur noch Jet-Flugzeuge einsetzen: drei Caravellen und zwei Fokker F-28, von denen das erste im Dezember dieses Jahres und das zweite im März 1969 geliefert wird. Ahrens und Krauss bleiben damit ihrem Grundsatz treu, europäische Flugzeuge zu bevorzugen. Sie hoffen daher auch, einen europäischen Airbus fliegen zu können, wenn die Zeit dafür gekommen ist. hm