Von Paul Laven

Dumpf klingt der Aufschlag der Hufe in der Hall; des alten Weinberggestüts in Frarkfurt-Niederrad. Von den zwei Mannen, die den Schimmel umkreisen, hält der eine die lange Peitschenrute, der andere stapft gemessen hin und her.

Gedämpfte, ostpreußisch klingende Rufe übertönen das Schnauben des Pferdes. Plötzlich stehen Roß und Reiter wie ein Denkmal aus Stein. Der Reiter schaut seitwärts in der großen Spiegel an der Wand, prüft sekundenlang Haltung und Ausdrucj: Josef Neckermann, der mit Dr. Rainer Klimke und Liselott Linsenhoff in Mexiko am olympischen Wettbewerb der Dressurreiter teilnimmt.

Der amtierende Veitmeister von 1966 in Bern auf dem Halbblut Mariano (12) wurde Vierter auf seinem Erfolgspferd Antoinette in Tokio 1964. Er errang in Bern mit Klimke und Harry Boldt, dem Zweiten und dem Dritten in der Einzelwertung, wie zwei Jahre vorher bei den Spielen in Japan, den Mannschaftssieg. Boldt war dort in der Einzelwertung auf Remus nur einen Punkt hinter dem Schweizer Chammartin Zweiter, Neckermann auf Antoinette Fünfter, Klimke auf Dux Sechster.

Gelassen schildert der Dressurreiter Neckermann seinen Ritt in Tokio um den olympischen Sieg in der Mannschaftswertung. Im Gewitterregen, als Sturm über die Bahn brauste, mußte er mit der Schimmelstute Antoinette eine Probe bestehen wie noch nie zuvor. „In Rom mußte ich mit Asbach, dem Wallach aus hannoverschem Geblüt, auch in Sturm und Regen meine Dressur reiten. Einen Feller machte das Pferd. Vom Übergang aus der Passage in die Piaffe schlug es an die Bande. Das kostete den zweiten Platz.“ Den Olympiasieger dieser Spiele, den russischen Militärreiter Filatow, besiegte Neckermann später in Aachen.

„1960 waren sie 48, bei Ihrem dritten olympischen Kampf in Mexiko sind Sie 56 Jahre alt. Empfinden Sie die Beanspruchung, der Sie durch Ihren Beruf und durch den Sport ausgesetzt sind, nicht als zu schweir? Darf man von einer wachsenden ‚Last der Jahre‘ sprechen?“

Neckermann, Handelsherr (1,5 Milliarden Jahresumsatz), früh am Morgen in der Reithalle, den Tag über bis abends spät in seinem Geschäftskomplex am Frankfurter Osthafen tätig, gibt keine Antwort. In den Boxen vor der Halle sind Plaketten angebracht. Sie tragen die Namen vieler Turniere, an denen der Olympiasieger und Weltmeister teilnahm. Auch seine „ausgedienten“ Pferde werden dort gepflegt. Ihnen verdankt Neckermann, wie er versichert, Lebens- und Leistungskraft.