Die dramatischen Weltereignisse der jüngsten Vergangenheit haben in der internationalen Gemeinde der Wissenschaftler starke Beunruhigung ausgelöst. Wieder einmal müssen wir erleben, daß militärische Gewalt dazu benutzt wird, kleinen Ländern gegen den Willen der Bevölkerung eine bestimmte Ordnung aufzuzwingen

Mit diesen Sätzen beginnt ein offener Brief an die Akademien der Wissenschaften, den Teilnehmer an der 16. Internationalen Konferenz über Hochenergiephysik Anfang September verfaßt haben.

„Die Gemeinde der Wissenschaftler“, so heißt es weiter darin, „hat sich stets um ein besseres Verstehen zwischen den verschiedenen Völkern und Ideologien bemüht. Das gemeinsame Interesse an der Entdeckung fundamentaler Naturgesetze ist ein starkes Band zwischen den Wissenschaftlern der ganzen Welt, eine Verbindung, die Menschen über die politischen Barrieren hinweg zusammengebracht hat, was häufig eine bessere Verständigung und Zusammenarbeit auch auf nichtwissenschaftlichen Gebieten herbeiführte.

Der jüngste Mißbrauch der Gewalt stellt einen Affront gegen die humanitären Werte und die Menschenwürde dar. Insbesondere droht ein solcher Mißbrauch, die Bande zu zerreißen, die bislang die Wissenschaftler untereinander verbunden haben.

Wir fordern alle wissenschaftlichen Vereinigungen dringend auf, das äußerste dafür zu tun, diesem Trend entgegenzuwirken und ihren Einfluß dahingehend geltend zu machen, daß durch gegenseitige Hilfe und gemeinsames Verständnis eine Lösung der Konflikte herbeigeführt werden kann.“

Unterzeichnet ist der offene Brief von dreißig bedeutenden Physikern aus dreizehn Ländern darunter der Nobelpreisträger Chen-Ning Yang, der langjährige Direktor des europäischen Kernforschungszentrums CERN, Viktor Weisskopf, der Direktor des Deutschen Elektronen Synchrotrons, Willibald Jentschke und der wegen seiner Arbeiten zur Systematik der Elementarteilchen berühmte Ordinarius an der Universität Tel Aviv, Yuval Ne’eman. Von den sozialistischen Ländern unterschrieben nur die beiden jugoslawischen Physiker M. Nikolic und N. Zovko den Brief. -ow