Der bisher für Ehescheidungen wenig aufgeschlossene Bundesgerichtshof ist im Urteil vom 29. Mai 1968 (IV ZR 591/68 in NJW 68 S. 1519) zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: „Die Möglichkeit des Bestehens einer Bindung an die Ehe kann in der Regel nicht angenommen werden, wenn der beklagte Ehegatte sich mit dem Gedanken trägt, eine neue Ehe einzugehen, und er deswegen auf Heiratsanzeiger antwortet, um zu prüfen, ob sich ihm die Möglichkeit für das Eingehen einer neuen, ihm zusagenden Ehe bietet.“ Unter diesen Umständen ist keine eheliche Verbundenheit mehr vorhanden, auch wenn der nach einer neuen Ehemöglichkeit suchende Eheteil behauptet, daß er sich trotzdem noch an seinen Ehegatten gebunden und für diesen und sein Schicksal mitverantwortlich fühle. Da der an einer neuen Ehe bereits interessierte Eheteil habe erkennen lassen, daß er seine bestehende Ehe nur deshalb nicht preisgeben wolle, im nicht einem anderen Menschen den Platz für eine Ehe mit dem jetzigen Partner frei zu machen, handele es sich nur um ein „zweckbedingtes Lippenbekenntnis“.

Dagegen hat der Bundesgerichtshof in einem anderen Urteil (v. 7.6.68 – IV ZR 588/68 in NJW 68 S. 1519) klargestellt, daß die Tatsache, daß ein Ehegatte von dem anderen den vorzeitigen Ausgleich des Zugewinns fordere, grundsätzlich kein Anzeichen dafür sei, daß ihm die Bindung an seine Ehe fehle. Ein solcher Schluß könnte höchstens aus der Art und Weise gezogen werden, wie dieser Anspruch durchgesetzt würde. Ein ehezerrüttender Zustand beruht nur sehr selten auf einer einzelnen Verfehlung eines Eheteils; denn eine Ehe wird durch unzählige Verhaltensweisen geführt und ist dementsprechend durch unzählige Möglichkeiten störbar. Zu scheiden ist eine Ehe aber erst dann, wenn sie nachgewiesen unheilbar zerrüttet ist und von einer Bindung der Ehepartner an die frühere Lebensgemeinschaft keine Rede meh sein kann.