Wie kinderfremd man hierzulande ist, zeigt neben vielem anderem auch die Tatsache, daß man die Kindheit nicht als literarisches Thema betrachtet. Die meisten Romane, in denen das Kind für würdig befunden wird, Mittelpunkt einer Geschichte zu sein, stammen aus dem Englischen und Amerikanischen, so –

Arthur Cavanough: „Als die Kinder verschwanden“, aus dem Amerikanischen von Ulla Hengst; Rowohlt Verlag, Reinbek; 224 S., 16,80 DM.

Die Kinder sind drei und sechs, ihre Mutter ist in psychiatrischer Behandlung, der Vater Verlagsangestellter in New York. Sie verschwinden am Eingang eines Warenhauses, und das löst eine Suchaktion der Polizei, den Ausbruch einer Ehekrise und den Mordverdacht gegen die Muttter aus. Die Täterin ist jedoch eine alte einsame Kinderfrau, die in ihrem verstörten Geist in diesen Kindern die vergötterten Schutzbefohlenen von einst wiedergefunden zu haben glaubt und sie gefangen setzt, um nicht wieder beraubt zu werden. Das ist Unterhaltung mit kriminalistischem und vor allem psychologischem Einschlag, gut gemacht und erzählt.

Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise spielt –

J. S. Wilson: „Hurra für mich“, aus dem Amerikanischen von Tom Knoth; Verlag Rütten + Loening, München; 314 S., 22,80 DM.

Der Held: Bobby Hirshman, fünf Jahre. Der Ort: New York, das New York der eingewanderten Juden, wo Bobby zwischen italienischen Delikatessen und jüdischen Bräuchen, US-Wohnblock-Nachbarschaftshilfe und seinen eigenen Kinderproblemen aufwächst. Er berichtet im Nachhinein von dem Jahr, in dem er begriff, daß auch Mütter sterben. Diese Erschütterung macht aus dem Nesthäkchen ein waches, aber hurrarufendes Kind. Eine Orgie von Farbe, Gefühl und Erinnerung, rührend, geschwätzig, auch historisch interessant, und bei allem präzise und warmherzig die Entwicklungssituation eines Fünf- bis Sechsjährigen charakterisierend.

Wie im ersten Roman von Malpass sind auch im zweiten –