Von Marietta Riederer

Großes Treffen des Jet-sets, genannt auch „VIP’s“ (very important persons). Achtzehn ausgewählte Modeschöpfer mit Anhang samt Schrankkoffern voller „Mode“. Internationale Modejournalisten, exklusiv gesiebt. Mehrere noble und bürgerliche Modephotographen mit Weltruhm, umspielt von je einem ihrer Lieblings-topmodels. In gemessenem Abstand davon knapp dreißig Mannequins und Dressmen. Dann, unumgänglich bei Mode-Happenings solcher Art: einige wohlbekannte Filmstars. Ferner „High-Kosmetiker“ mit einem Troß von Visagisten und Haute-Coiffeuren, „Paparazzi“, nur in Trauben auftretend, und, nicht zu vergessen, die Anwärter der zu verteilenden „Oscars“, hier als „goldener Tiberius“ bekannt.

Alle im Anflug auf Neapel, Koffer und sonstiges Luxusgepäck mit panischer Angst im Auge behaltend, um per Helikopter, Flugboot, in Privatjachten und Motorbooten Capri schnellstens zu erreichen. Für drei Nächte im Mondschein, für vier Tage mit strahlender Sonne. Zugleich Abschied vom Sommer 68. Vorschau auf die Mode 69: „Am, im, unterm Wasser.“ Italiens Maremoda hatte zum zweitenmal eingeladen, und man kam: aus Santo Domingo, New York, London, Paris, Rom, ja, sogar aus Hamburg.

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Hilfestellung und Protektion gaben als Initiatoren das Kultusministerium für Industrie und Handwerk, Neapel, das Amt für Fremdenverkehr, die Kurverwaltungen von Neapel und der Gemeinde Capri. Als weitere Stütze fungierte die Bank von Neapel. Unter den siebzehn Organisatoren kümmerte sich Conte Rudi Crespi als eleganter Gastgeber um Mode und um Presse.

Glanzpunkt des Modefestivals: eine Mitternachts-Schau unter der Regie des Regisseurs Gavin Robinson aus London. Schauplatz: die Certosa, ein Klosterhof mit Säulengang, im Geviert erbaut im 16. Jahrhundert auf den Ruinen der von Kaiser Tiberius errichteten Villa Giulia. Darüber: Sternenhimmel, Mond und sanfte Nachtbrise.

Fackeln erleuchteten den Weg dorthin. Ganz Capri war unterwegs, um die illustren Gäste zu sehen. Dann schloß sich das Tor, und den Außenstehenden blieb nur die lautsprechende Pop- und Sweet-Musik. Drinnen: Flutlicht an für „Maremoda“. Als lebende Bilder, als Tanz mit Tempo oder „getragen“, zu 80 Prozent „feminin und maskulin“ vorgeführt. Gleichgekleideter Uni-sex als Mode der Zukunft.