Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Immer schöner und immer besser möchten Deutschlands Bürger wohnen. Aber wenn die zum Mieten angebotenen Räume gar zu schön gelegen, gar zu groß und gar zu komfortabel ausgestattet sind, dann – mietet man sie lieber nicht. Denn dann kosten sie viele hundert Mark im Monat, und für das gleiche Geld kann man ein Eigenheim finanzieren.

Im Aachener Raum gibt es schon eine ganze Menge leerstehender Komfort-Mietwohnungen. Im Ruhrgebiet stellte der Essener Makler Hans Conzen fest: „Für Mietwohnungen der Komfortklasse mit hundert oder 120 Quadratmetern Wohnfläche waren im vorigen Jahr noch 600, 700 und 800 Mark Monatsmiete zu erzielen. Heute ist über 600 Mark überhaupt nichts mehr zu machen. Dieselben Wohnungen kosten jetzt 500 bis 550 Mark Miete.“

Im Ruhrgebiet, dem immer noch größten, aber ständig an Bedeutung verlierenden Industrie-Ballungsgebiet der Bundesrepublik, macht sich ein deutlicher Rückschlag bemerkbar: Hier werden in zunehmendem Maße bessere in billigere Wohnungen umgetauscht. Anderswo ist es nicht grundlegend anders. Makler Hans Berr stellt im Räume Stuttgart fest: „Die Vermieter legen mehr und mehr Wert auf Dauermieter. Wer als Dauermieter in Frage kommt, erhält Zugeständnisse bei der Miethöhe.“

Welch’ Wandel im Vergleich zu früheren Jahren, im Vergleich noch zu der Zeit vor 10, 20 Monaten! Damals stießen die Mieter meist auf eisige Gesichter der Hauseigentümer, wenn sie einen längerfristigen Mietvertrag haben wollten. Heute zaudern eher die Mieter, wenn die Vermieter mit Kündigungsfristen locken, die über die gesetzliche Dreimonatsfrist hinausgehen.

Verlorene Baukostenzuschüsse zu verlangen, ist schon längst nicht mehr erlaubt. Aber auch Mieterdarlehen, Vorauszahlungen, Erstattung von Renovierungskosten und andere – nicht verbotene – Arten der Eigenkapitalbeschaffung, wie sie begabte Hauseigentümer auf Kosten des künftigen Mieters praktizierten, sind kaum noch zu holen. Einzige Oase auf diesem sonst längst abgegrasten Feld ist die Hansestadt Hamburg. Hier versuchen manche Vermieter sogar noch, „fast verlorene“ Baukostenzuschüsse zu erhalten: Bei langfristigen Mietverträgen sollen jährlich zwei Prozent des „Darlehens“ von der vereinbarten Miete abgezogen und als Rückzahlung verrechnet werden. So etwas ist praktisch nur eine Pro-Forma-Rückzahlung. Sie erstreckt sich über 50 Jahre.

Die Makler beginnen bereits zu meutern. Guido Riemann, Mitgesellschafter und Kommanditist der überregionalen Maklerfirma Blumenauer: „Wir machen den Eigentümern klar, daß solche Sachen einfach nicht mehr zu erzielen sind.“