Bleichgesichtig war Peter Neckermann zur Stippvisite angereist; als er den Nobelkurort St. Moritz 24 Stunden später wieder verließ, hatte er, eine Naturbräune, wie sie manchem Urlauber nach acht Tagen nicht vergönnt ist. Noch tags zuvor hatte es gestürmt und geschneit. Doch als der 33 Jahre alte Versandhaus-Junior an der Bergstation der Corvatsch-Seilbahn in 3303 Meter Höhe stand, lösten sich die letzten Nebelschwaden auf. Einen Tag lang schien die Sonne.

Die Ewige-Schnee-Szenerie mit einer Hundertschaft unentwegter Sommerskiläufer auf dem trefflichen Dreitausender im Engadin wählte das Versandhaus, um effektvoll das Neueste von Neckermann und Reisen (N.U.R.) zu präsentieren: die Skischule. Berti, Monika, Anny, Olaf, Knut und einige mehr rutschten, hüpften und wedelten an dem Hang neben dem Gletscherlift und demonstrierten, wie sie demnächst den Wintersporturlaubern das Skifahren beibringen wollen. Auf Normal- und Mini-Skiern.

Um das Ferienrad ganzjährig in Schwung zu halten, wird jetzt den Gepflogenheiten der Modebranche nachgeeifert und das Winterprogramm bei Hochsommertemperaturen serviert. Neckermann begann damit, andere müssen nachziehen. Scharnow motiviert die Edition eines Winter-„Vorprospekts“ damit, daß das geschätzte Reisepublikum „möglichst frühzeitig und exakt“ informiert werden soll, denn gegen Weihnachten komme es regelmäßig zu einem „Buchungsstau“. Auch Touropa beeilte sich mit einem winterlichen „Exklusiv-Programm“, ehe der eigentliche Schneeprospekt erschien.

Freilich, allesamt haben sie in diesem Jahr einige neue, glitzernde Schneeflocken, die sie im anhaltenden Konkurrenzwettstreit möglichst frisch ans Licht der Öffentlichkeit bringen wollen. Der Überraschungseffekt gelang Neckermann insofern, als er – bisher nur auf Flugreisen und Kreuzfahrten spezialisiert – nun in das allgemein rückläufige Geschäft mit der Eisenbahn einstieg. Begründung: „Zur sinnvollen Abrundung des Programms.“ Den Ausschlag gab die Offerte des Skipädagogen Magnus Frey, der jahrelang den Ski-Exkursionen eines Münchner Sportgeschäfts zu kometenhaftem Erfolg verhalf. Frey hat inzwischen mit einer Schar staatlich geprüfter Skilehrer eine Art überregionale Skischule gegründet, seine Dienste dem Frankfurter Versandhaus angeboten und wird nun an 17 Skiorten in Bayern, Tirol, Südtirol und im Oberengadin die Brettlsäuglinge betreuen. Der Wochen-Skikurs kostet, je nach Ort, 35 bis 45 Mark. Gelehrt wird das Skilaufen auch auf Kurzski, von denen man sich wahre Wunderdinge erzählt. Leihski sind vorhanden.

Neckermann in St. Moritz – das klingt wie: Herr Jedermann im Schneerevier des Schah. Doch längst haben die Manager des Massentourismus auch an den Glanzpunkten alpenländischen Wintervergnügens Fuß gefaßt. In St. Moritz ebenso wie in Zermatt, Verbier, Kitzbühel, oder Cortina d’Ampezzo. Touropa macht in St. Moritz im selben Hotel wie Neckermann die Januar-Verlängerungswoche um eine Mark billiger (249 Mark, Hotel La Margna).

Endlich hat der Pauschaltourist während der Reise auch die Möglichkeit, die komfortableren. Einrichtungen der Bundesbahn zu genießen. Ein Merkmal der Wintersaison 1968/69: Die großen Veranstalter haben neben dem zweifellos vielbewährten Liegewagen auch den Drei-Bett-Schlafwagen entdeckt. („Wenn es die Belegung erlaubt, können Ehepaare allein im Schlafwagenabteil untergebracht werden.“) Teils werden die Schlafwagen an die Turnussonderzüge angehängt, teils rollen sie mit fahrplanmäßigen Zügen. Außerdem kann man in den Schwarzwald, die Schweiz und nach Südtirol nun als Pauschaltourist auch 1. Klasse oder per TEE reisen (bei Touropa, Scharnow und Dr.-Tigges-Fahrten). Und bei Quelle: Sonderzüge in die bayerischen Berge mit Tanz- und Barwagen.

Ein anderes Merkmal der kommenden Schneesaison ist die Berücksichtigung der Autofahrer. Eisglatte Straßen, verwehte Pässe, eingefrorene Zündkerzen und das Montieren von Schneeketten können motorisierte Skifans nicht davon abhalten, ihren Urlaubsplatz selber anzusteuern. Hinzu kommt, daß es für die vielen Wintersportler in Süddeutschland wenig sinnvoll ist, einem Sonderzug nach Norden entgegenzureisen oder sich um zwei Uhr nachts in ein Schlafwagenbett zu legen. Das hat einige Veranstalter bewogen, ihre Angebote stärker als bisher auch für Autofahrer interessant zu machen. In den Prospekten ist zu lesen: „An- und Abreise im eigenen Wagen möglich.“ Preise: Verlängerungswoche plus ein paar Mark Bearbeitungsgebühr.