Viele Handwerker, Einzelhändler und kleine Gewerbetreibende sind mit der Bonner Großen Koalition nicht sonderlich zufrieden. Andere Aufgaben als eine zusätzliche Förderung des Mittelstandes hatten, in der Tat Vorrang.

Strauß mußte als Finanzminister die arg durcheinander geratenen Bundesfinanzen ordnen. Ein mühsames Geschäft, das wenig Zeit zum Nachdenken über die günstigere steuerliche Behandlung des im Betrieb verbleibenden Gewinns ließ, die vom CDU-Mittelstandskreis seit Jahren gefordert wird.

Schiller wiederum mühte sich um die Ankurbelung der Konjunktur, ohne dabei besondere Programme auch noch für den gewerblichen Mittelstand vorzulegen. Er sieht mit Recht in dem erreichten Konjunkturaufschwung zugleich die beste Mittelstandsförderung. Von einer Rezession wird der kleine Unternehmer wegen der meist nur bescheidenen finanziellen Rücklagen am frühesten und härtesten betroffen.

An Stelle der aus Kreisen des Mittelstandes gewünschten Schutzmaßnahmen setzt sich der Wirtschaftsminister für den Abbau der Preisbindung und – seit neuestem – auch für die Einführung der Lohnfortzahlung an Arbeiter ein. Beides wird von den mittelständischen Organisationen entschieden abgelehnt.

Für die ungeschmälerte Preisbindung sprachen sich erst auf dem Genossenschaftstag in Bad Godesberg wieder die Redner des Schulze-Delitzsch-Verbandes aus. Die Lohnfortzahlung, die wegen der rechtlichen Gleichstellung der Arbeiter mit den Angestellten gewiß nicht mehr lange zu umgehen sein wird, brächte den lohnintensiven Kleinbetrieben spürbare Mehrbelastungen.

Familienminister Hecks Absicht, das Familiensplitting bei der Einkommensteuer einzuschränken, würde ebenfalls besonders den Mittelstand treffen. Sozialminister Katzer sieht sich andererseits nicht in der Lage, einem alten Wunsch der Selbständigen zu entsprechen und ihnen die Tür zur gesetzlichen Rentenversicherung zu öffnen.

Es findet sich niemand, der die finanziellen Mittel für die Übernahme der sogenannten uralten Last bereitstellen kann. Nur die Bauern, die man als Selbständige und Grundbesitzer doch wohl zum Mittelstand rechnen muß, konnten beim Staat eine für sie günstige Alterssicherung durchsetzen.