Die Spannungen zwischen Isreal und seinen arabischen Nachbarn haben sich gefährlich erhöht. Fast täglich kam es in den besetzten Gebieten und an den Waffenstillstandslinien zu blutigen Zwischenfällen.

Außenminister Eban und Verteidigungsminister Dayan nahmen die letzten Zusammenstöße noch relativ gelassen als „isolierte Zwischenfälle“ hin. Derweil steigerte sich die ägyptische Öffentlichkeit in eine neue Kriegshysterie hinein.

Staatspräsident Nasser kündigte in Kairo eine „neue Runde“ im Kampf gegen Israel an. Auf dem Kongreß der „Arabischen Sozialistischen Union“ riefen Delegierte zum „Heiligen Krieg gegen die Juden“ auf.

Der ägyptische Verteidigungsminister, General Mohammed Fausi, erläuterte vor dem Kabinett die neue ägyptische Taktik der „vorbeugenden Verteidigung“:Militärische Kommandounternehmen gegen das vom Gegner besetzte Ostufer des Suezkanals sollen israelische Gegenschläge provozieren, die dann von Ägypten ebenso massiv erwidert werden. Mit dieser Taktik hofft Kairo, in der Kanalzone eine derart explosive Lage zu schaffen, daß der Weltsicherheitsrat die Israelis eindeutig zum Rückzug von der Sinai-Halbinsel auffordert.

Die „vorbeugende Verteidigung“ wurde von Ägypten bereits in den letzten vierzehn Tagen erprobt. Das Londoner „Institute for Strategie Studies“ bezweifelte freilich in seinem jüngsten Jahresbericht, daß die ägyptische Armee schon wiedervoll einsatzfähig ist. Die militärische Stärke der arabischen Staaten aber habe schon wieder das Vorkriegsniveau erreicht. Die Sowjets hätten die Verluste an Kriegsmaterial durch umfangreiche Lieferungen ersetzt.

Washington dagegen verweigert Israel noch immer die 50 „Phantom“-Jäger, mit denen Jerusalem die von Frankreich gesperrten „Mirage“-Bomber ersetzen wollte.

Die „New York Times“ schrieb, daß Präsident Johnson seine Entscheidung im Interesse einer sowjetisch-amerikanischen Gipfelkonferenz im späten Herbst getroffen habe. Er wolle dann mit den Sowjets über eine Friedenslösung im Nahen Osten und über eine Begrenzung der Waffenlieferungen sprechen.

Die Präsidentschaftskandidaten Humphrey und Nixon sprachen sich indessen wiederholt für die Lieferung der Flugzeuge aus – ohne Unterstützung der amerikanischen Juden können sie nicht den Wahlkampf gewinnen.