Frankfurt Bis zum 23. Oktober, Buch- und Kunstantiquariat Siegfried Brumme: „Paul Flora“

Eine Auswahl von Flora-Zeichnungen, keine Karikaturen, nicht weil es den Blättern an Schärfe oder an Witz, sondern an der politischen Pointe fehlt. Architekturen lassen sich nicht karikieren, aber mit phantastischen Gestalten beleben – „Ein Mammut geht vorbei“. Peter Bichsel eröffnete die Ausstellung während der Frankfurter Buchmesse, ein Teil der Blätter gehört ins neue Flora-Buch „Veduten und Figuren“, das eben im Diogenes Verlag erschienen ist.

Köln Bis zum 6. Oktober, Kunstverein: „ars porcellana“

Arnold Bode stellte die Idee und die Künstler, Philip Rosenthal die Produktionsmittel und das Kapital. Auf diese Weise wurde eine neue Kunst kreiert: ars porcellana. Vielmehr ein neuer Begriff, die Sache selbst ist alt. Schon Kändler nahm, kaum daß Boettger das europäische Porzellan erfunden hatte, den neuen Werkstoff, um Kunst damit herzustellen, eine Kunst sui generis, ars porcellana, Porzellanplastik. Daß die neue Porzellankunst zum Nippes degenerierte, ist nicht Kändler anzulasten. Die von Bode/Rosenthal initiierte Renaissance der als porcellana hatte Vorläufer in den zwanziger Jahren, als die Berliner Porzellanmanufaktur namhafte Bildhauer in Auftrag nahm, die vorwiegend Rehe und Mädchenakte für den Massenkonsum produzierten. Für Philip Rosenthal ging es darum, das Porzellan für die heutige Kunst verwendbar zu machen, und es ist ihm gelungen, 22 prominente Bildhauer, Maler und Graphiker einzukaufen (einige der prominentesten, wie Moore und Nicholson, haben dann allerdings doch nicht mitgemacht). Mit weniger prominenten Künstlern wäre er vermutlich besser gefahren, weil diese möglicherweise mit dem Werkstoff Porzellan experimentiert und ihr Formkonzept aus diesem Material entwickelt hätten. Die Künstler der Rosenthal Reliefreihe lassen es generell dabei bewenden, ihre bekannten Modelle in Porzellan zu wiederholen. Aber wenn Fontana eine Leinwand durchlöchert oder Uecker Nägel in die Fläche schlägt, dann werden diese individuellen Aktionen zur Farce, wenn sie in Porzellan transponiert werden. Das Heiliger-Relief ist eine typische Bronzearbeit, durch Vergoldung wird das Porzellan in Bronze umgefälscht. Ebensowenig kann das Grieshaber-Relief seine Herkunft aus dem Holzschnitt verleugnen. Warum soll man aber für einen Grieshaber in Porzellan 1200 Mark bezahlen, wenn ein Originalholzschnitt viel billiger zu haben ist? Hier, im Verkaufspreis, stimmt die Rosenthal-Rechnung nicht. Entweder nimmt man Porzellan als ein Medium der ars multiplicata, um moderne Kunst billig unters Volk zu bringen, dann kann man nicht mit begrenzten Auflagen (zwischen 50 und 100 Exemplaren) arbeiten und die Objekte zu Preisen zwischen 750 und 12 000 Mark (für eine Kachelwand von Vasarely) anbieten, oder man nimmt ars porcellana beim Wort, zeigt Objekte, die sich in keinem anderen Material realisieren lassen. Einige unter den beteiligten Künstlern kämen als Pioniere einer spezifischen ars porcellana in Betracht: Hadzi, König, Mavignier.

Weiterhin im Programm:

Hannover Bis zum 10. Oktober, Wilhelm-Busch-Museum: „Kunstpreis Kritische Graphik“

Themen wie in jedem mittleren Kabarett: die Pille, Frau Saubermann, der Wohlstandsstaat, die Bonner Prominenz. Originelleres lassen sich die nichtprofessionellen Freien Graphiker einfallen, etwa Peter Nagel, Pit Morell, Diether Kressel, Wolfgang Petrick, Karl Schaper.