Von Dieter E. Zimmer

Zwar hat Mary McCarthys hellsichtiger und findiger Essay, der des Exilrussen Nabokov bisher letzten Roman, „Pale Fire“, als einen „Blitz aus heiterem Himmel“ feierte, als eins „Schöpfung von vollkommener Schönheit, Symmetrie, Seltsamkeit, Originalität und moralischer Wahrheit“, eine Menge wiedergutgemacht; aber sehr begeistert ist dieses vexierende Buch, das nunmehr auch in deutscher Sprache vorliegt –

Vladimir Nabokov: „Fahles Feuer“, Roman, aus dem Englischen von Uwe Friesel; Rowohlt Verlag, Reinbek; 342 S. und 114 S. Marginalien, 26,– DM

– 1962, bei seinem Erscheinen, nicht aufgenommen worden. Die bündigste Abfuhr hatte ihm damals der amerikanische Kritiker Dwight McDonald erteilt. „Ein Zurschaustellen von Virtuosität, abgeschnitten von Gefühl und Gedanken“, dekretierte er; und nicht weniger als siebenmal fiel in seinem kurzen Artikel das Wort „langweilig“.

Nun ist Langeweile ein Naturphänomen, dem kein Argument gewachsen ist: Sie läßt sich durch nichts wegdisputieren. Nichts könnte einen Leser hindern, Shakespeare oder Beckett für langweilig zu erklären, und damit basta; aber er muß sich dann auch gefallen lassen, daß die, die anderer Meinung sind, das nicht für ein Nonplusultra kritischen Scharfsinns halten und darüber hinweggehen wie er über das betreffende Werk: nämlich mit einem Achselzucken.

Eine bloße virtuose Lustbarkeit ohne Sinn und Verstand ist „Fahles Feuer“ gewiß nicht; und an Gefühlen und Gedanken ist das Buch alles andere als arm. Aber es ist schon eine ziemlich spezielle Veranstaltung, seine Gedanken und Gefühle sind nicht die von jedermann, und daß mancher davorsteht wie die Kuh vorm neuen Tor, kann nicht eigentlich verwundern.

Diese Einleitung kann ihre Anmaßung nur einlösen, wenn nun um so genauer erklärt würde, was es mit diesem Buch auf sich hat; aber gerade das zögert man zu tun. Denn eine Inhaltsangabe wäre in diesem Fall: Angabe. Und auch wenn ungefähr erklärt ist, was in dem Buch vor sich geht, so wäre über seinen Sinn noch wenig gesagt. Es ist ein Unikum, das sich der forschen Inbesitznahme widersetzt und um das die Leser noch in vielen Jahren eingeschüchtert und mißtrauisch herumschleichen werden.