Die Bundestagsabgeordneten Kurt Birrenbach. und Helmut Schmidt zählen zur ersten Garnitur der deutschen Außenpolitiker; ihre Urteilskraft in der Sicherheitspolitik wird diesseits und jenseits des Atlantik-gleichermaßen geschätzt und geachtet. Aber dieser persönliche Kredit hat die beiden Bonner Emissäre bei ihrem Amerika-Besuch auch nicht weitergebracht. Sie haben lediglich das deutsche Urteil über die Lage nach der Sowjet-Invasion in der Tschechoslowakei deutlicher machen können.

So einig die Amerikaner dabei auch mit ihnen in der Analyse gewesen sein mögen, so sehr sträuben sie sich doch, ihr europäisches Engagement sichtbarer zu machen – wie es zu Adenauers Zeiten vor und nach der Berliner Mauer zur verläßlichen Regel geworden war, wenn Bonn der moralischen Rückenstärkung bedurfte. Heute bleiben die Europäer, bleiben vor allem die Deutschen ihrem Schock weithin allein überlassen. Kurzfristig wünscht Washington keine hastigen militärischen Maßnahmen, die Bonn als Beitrag zur politischen Stabilisierung erhofft hat. Man möchte Moskau nicht reizen. Und langfristig überläßt Washington die Initialzündung zu einer Renaissance der westlichen Verteidigungsorganisation den Europäern.

Bei alledem ist es nur ein schwacher Ausgleich, daß Birrenbach und Schmidt eine klare Stellungnahme zu den Feindstaaten-Klauseln erreichten. Amerika spricht den Sowjets jedes Interventionsrecht gegen die Bundesrepublik ab, das Moskau aus der UN-Charta ableitet. Solche Erklärung war freilich nichts als eine Selbstverständlichkeit: daß unsere Verbündeten jede Aggression gegen die Bundesrepublik als Angriff betrachten. Be.