Immer mehr Kreditinstitute gehen dazu über, der Kundschaft eine größere regionale Streuung ihres Aktienportefeuilles zu empfehlen. Die Experten beginnen nämlich daran zu zweifeln, ob ihre für 1969 überaus optimistischen Gewinnschätzungen der späteren Realität entsprechen werden. Es sind nicht nur die Diskussionen über eine mögliche Aufwertung der Mark, die skepeine stimmen. Hinzu kommt die Befürchtung, daß sich die Parteien diesmal darauf einigen werden, Wahlgeschenke auf dem Rücken der Wirtschaft zu machen, da der Bundeshaushalt nur wenig Raum für einen finanziellen Stimmenfang enthält. So ist jedenfalls die Äußerung von Bundeswirtschaftsminister Professor Schiller auf dem Kongreß der IG Metall verstanden worden, sechsprozentige Lohnerhöhungen wären im nächsten Jahr angebracht. Auf der gleichen Linie liegt die Einführung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, gegen die im Prinzip nichts vorzubringen ist, die aber zu einer weiteren Schmälerung der Rentabilität deutscher Unternehmen führen muß.

Seit einigen Tagen wird der Strauß neuer Belastungen durch Steuererhöhungen vervollständigt, die angeblich unumgänglich sind, wenn wilder nach dem Einmarsch der Sowjets in die Tschechoslowakei veränderten militärischen Situation in Europa Rechnung tragen wollen. Daran zu glauben, daß der im kommenden Jahr voll entbrennende Kampf um die Ausdehnung der entbrennende Mitbestimmung ohne negativen Einfluß auf die deutschen Aktienkurse bleiben wird, ist schwer vorstellbar.

Es gibt also Gründe genug, künftig wieder mit mehr Anlagekapital ins Ausland zu gehen. Dabei muß man sich bewußt bleiben, meine verehrten Leser, daß eine Aufwertung der Mark zunächst einmal eine Wertverringerung aller Auslandsanlagen bedeutet. Aber in unserem letzten „Gespräch“ deutete ich bereits an, daß auch die deutschen Aktien, selbst wenn die Ansicht vertreten wird, daß eine Aufwertung in den heutigen Kursen schon ausreichend berücksichtigt ist, zunächst einmal geschockt sein würden.

Der wachsenden Neigung, das Anlagerisiko international zu verteilen, kommt jetzt die Gründung eines Fonds japanischer Aktien entgegen, der von der Formula Selection Inc., Panama, aufgelegt worden ist. Der Fonds selbst hat seinen Sitz in Luxemburg. Die panamesische Gesellschaft verwaltet bereits den Formula Selection Fund, der weltweit investiert und über ein Vermögen von knapp 100 Millionen Schweizer Franken verfügt (Wertsteigerung seit 1962 über 120 Prozent).

Die Verwaltumgsgesellschaft hat lange gezögert, den Plan zur Schaffung eines Japan-Fonds zu verwirklichen. Sie brauchte für den Start einen günstigen Zeitpunkt. Heute ist sie der Meinung, daß die Gewinnchancen japanischer Aktien größer sind als die der deutschen.

Ich will Sie an dieser Stelle, meine verehrten Leser, nicht mit Zahlen aus der japanischen Volkswirtschaft langweilen. Einiges sollten Sie aber dennoch wissen. Von 1956 bis 1967 wuchs das reale Bruttosozialprodukt um durchschnittlich 11,1 Prozent (in keinem anderen westlichen Industrieland dagegen um mehr als 6 Prozent) und 1967 sogar um 13,2 Prozent. Heute hat Japan – nach den USA – das zweitgrößte Sozialprodukt aller nichtkommunistischen Länder. Der ungewöhnlich hohe Produktivitätszuwachs ermöglichte eine stetige kostenneutrale Erhöhung der Löhne und Gehälter, die zumindest in der Großindustrie das Niveau der europäischen Industrienationen bald erreicht haben dürften. Japan investiert seit langer Zeit einen weit größeren Teil seines Sozialproduktes in die Erweiterung und Modernisierung seiner Produktionskapazität als jede andere Industrienation.

Die rasche Steigerung der Kaufkraft der Bevölkerung sorgt für eine ständige Erweiterung des großen Binnenmarktes von 100 Millionen Konsumenten. Nach Ansicht zahlreicher europäischer und amerikanischer Anlageexperten hat die japanische Börse die günstigen Entwicklungsaussichten der japanischen Wirtschaft noch nicht ausreichend in den Kursen japanischer Aktien berücksichtigt. Japanische Aktien sind heute mit nur dem Zehnfachen der erwirtschafteten Gewinne vergleichsweise niedrig bewertet. Die Gewinnerwartungen schlagen sich dabei in den Kursen noch nicht nieder. Das mag seinen Grund zum Teil darin haben, daß es für individuelle ausländische Anleger wegen Sprache und Entfernung schwierig ist, den japanischen Markt zu übersehen.