Hundegebell ist keine Schalmeienmusik. Gekläffe kann zur Plage werden und in schlimmen Fällen sogar den Wert eines Grundstückes vermindern. Was ist zu tun, wenn die Ruhe im gerade neu bezogenen Eigenheim durch des Nachbarn Hund allzu häufig und allzu intensiv gestört wird?

Der Hundehalter ist nach Paragraph 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) zum Schadenersatz verpflichtet, wenn sein Tier einen Menschen tötet oder den Körper oder die Gesundheit des Menschen verletzt. Nun mag zwar durch Hundegekläffe mancher Nerv getötet werden, der Tod eines Menschen ist dadurch noch nicht eingetreten. Immerhin aber kann ein ständiges Gebell so auf die Nerven gehen, daß eine ernstliche Gesundheitsgefährdung eintritt. Diese Gesundheitsgefährdung muß jedoch in einem direkten Zusammenhang zum Bellen stehen. Das wird sich nur in den seltensten Fällen beweisen lassen.

Rufen wir einen anderen Paragraphen zur Hilfe! Nach Paragraph 906 BGB kann ein Grundstückseigentümer die von einem anderen Grundstück ausgehenden Geräusche verbieten, wenn das Geräusch die Benutzung des Grundstücks wesentlich beeinträchtigt, oder wenn es sich um ein in der betreffenden Gegend völlig ungewöhnliches Geräusch handelt. Nun, Hunde gibt es überall, und so kann es sich bei dem Bellen nicht um ein völlig ungewöhnliches Geräusch handeln.

Es bleibt die wesentliche Beeinträchtigung in der Nutzung des Grundstückes. Sehen wir einmal von Sanatorien und Krankenhäusern ab, so ist eine Beeinträchtigung der Nutzung des Grundstückes zwar schwer nachzuweisen, aber immerhin denkbar – zumindest in krassen Fällen.

Außerdem gibt es mancherorts Anti-Lärm-Verordnungen. Da der Hund rechtlich als Sache anzusehen ist, muß aber ebenso wie bei dem unter Strafe gestellten ruhestörenden Lärm (Paragraph 360 Nummer 11 Strafgesetzbuch) immer dem Hundehalter ein Verschulden nachgewiesen werden.

Bleibt eigentlich nur noch die brutale Methode: Schlagt den Hund tot! Der Tierschutzverein möge diesen bösen Ratschlag verzeihen, er sei nur rein theoretisch erörtert. Wer einen Hund totschlägt, begeht juristisch keinen Totschlag oder Mord, sondern Sachbeschädigung; aber auch die ist natürlich strafbar.

Kommen wir also zurück zur sanften Gewalt. Welcher Hundehalter will schon Herr eines Kläffers sein! Jeder will einen gut erzogenen Hund haben. Und wer dem nachbarlichen Hundehalter in aller Freundschaft klarmacht, daß sich der Verkaufswert eines Grundstückes durch ständiges Hundebellen vermindern kann, der wird – wenn er Glück hat – jenseits seiner Gartengrenze schon bald ein Nachlassen der Phonstärke feststellen können. Heinz Kamin