Röntgen-, Gamma- und Elektronenstrahlen sind als Hilfsmittel der zerstörungsfreien Werkstoffanalyse wohlbekannt. In „Nuclear Instruments and Methods“ (62, S. 311) beschreibt nun S. Kawasaki, wie thermische Neutronen (Neutronen sehr niedriger Energie) zur Materialdurchleuchtung eingesetzt werden können. Der Vorteil liegt auf der Hand: Gammastrahlen erzeugen die besten Abbildungen von Proben großer Dichte, die Neutronenkamera dagegen liefert optimale Aufnahmen von Objekten geringer Dichte, zum Beispiel Wasser. Der japanische Forscher demonstriert diesen Vorteil an kinematographischen Bildern einer wasserdurchströmten Kupferspule.

Die von einem elektrostatischen Beschleuniger emittierten schnellen Neutronen werden in Paraffin abgebremst und dringen in das zu untersuchende Objekt ein. Die durchtretenden thermischen Neutronen treffen auf eine 1 mm dicke Konverterfolie, deren Hauptbestandteile 6Li und ZnS sind. Das 6 Li fängt die Neutronen ein und sendet dafür Alphateilchen aus. Das eingelagerte ZnS szintilliert nun unter der Einwirkung der Alphastrahlung wie ein Röntgenbildschirm. Der Konverter wandelt also die Neutronen in Lichtimpulse um. Ein Bildverstärker ermöglicht die Betrachtung mit einer Fernsehkamera. Das Auflösungsvermögen beträgt 18 Striche pro mm. Die Anlage ist fahrbar und soll zur Inspektion von Brennstoffelementen und zum Studium der Siedeprozesse in Wärmeaustauschern eingesetzt werden. H. B.